Selbsterregung bei HF Leistungstransistoren

  • Da das Thema an anderer Stelle wieder einmal hochgekommen ist,schreibe ich ein Kopie meines Beitrages hier in den allgemeinen Praxisteil.


    Wärmeleitpaste kann aber bei HF Leistungstransistoren zu ganz anderen Schweinereien führen.Wir hatten bei der alten DL-QRP-AG PA und auch im Black Forest Transceiver immer mal wieder das Problem, dass vereinzelte PA´s massive Schwingneigung im 200MHz Bereich zeigten. Wir haben ewig lange herumgedoktert, bis DL2AVH die Ursache gefunden hat.
    Reproduzierbar kann die Selbsterregung erzeugt werden, wenn Wärmeleitpaste unter die Transistoren geschmiert wird. Helmut hat Messungen vorgenommen: In Abhängigkeit von der dicke der Wärmeleitpaste ändert sich die Kapatität zwischen der Metallfahne des Transistors und dem Kühlkörper. Zusammen mit dem Bond-Draht innen im Transistor (Induktivität!) bildet sich dann ein Schwingkreis, der in der Gegend von 200MHz oszilliert. Die Frequenz kann durch läsen oder fester anschrauben des Transistors beeinflusst werden.
    Seit dieser Erkenntnis benutzen wir Silikonscheiben und haben nie wieder Probleme mit selbst schwingenden PAs gehabt.
    Im Anhang die Untersuchung über den Einfluß von Wärmeleitpaste die Helmut, DL2AVH 2005 gemacht hat.

    Files

    73/2 de Peter, DL2FI
    Proud member of Second Class Operators Club SOC and Flying Pig Zapper #OOO (Certificated Kit Destroyer)

  • Eine sehr interessante Information.. auch ich hatte immer wieder mal Probleme damit.. vor allem auch bei der Reparatur von älteren Transceivern hatte auch den Verdacht daß es einen Zusammenhang mit der Wärmeleitpaste sein könnte... habe die alte dann abgekratzt und dann nur einen sehr dünnen Film wieder aufgebracht.. auch das half. Aber mir gefällt die Variante mit den Silikonscheiben besser. Ich habe diese aber noch nie gesehen oder als solche wahrgenommen.. vielleicht kannst du Peter mal so ein Muster hier als kleines Foto dranhängen.. werde auch gleich mal bei Reichelt schauen ob der diese hat.
    73 Uwe DJ9XG

  • Hallo Uwe,


    > ... vielleicht
    > kannst du Peter mal so ein Muster hier als kleines Foto dranhängen..
    > werde auch gleich mal bei Reichelt schauen ob der diese hat.


    so richtig fotogen sind die Folien nicht. Reichelt hat die Folie nur als
    Zuschnitt (SI4018 oder SI6018). Conrad bietet auch die
    Großflächenvarianten an (189056, 189058), hat aber auch welche, die
    gleich für verschiedene Gehäuse passen (189066, 189067, 189068, 180346,
    ...). Bei Conrad findest Du auch unter dem Begriff Wärmeleitfolie
    halbwegs gute Fotos.


    72/73 de Ingo, DK3RED - Don't forget: the fun is the power!


  • Gibt es bei uns fertig geschnitten und gelocht im QRP-Shop oder auch bei Segor. Hier der Link zum QRP-Shop in der Abteilung Mechanische Bauteile (mit Bild :D )

    73/2 de Peter, DL2FI
    Proud member of Second Class Operators Club SOC and Flying Pig Zapper #OOO (Certificated Kit Destroyer)

  • Uiiii, daß es einen Unterschied zwischen einer Isolation mittels Glimmerplättchen (und Wärmeleitpaste)
    und einem Siliconplättchen gibt, war mir schon klar, aber nicht, daß dieser Effekt so gross ist.
    Ok, gute Kondensatoren enthalten nicht umsonst Glimmer... ;)
    Danke für die Info.


    73 de Roland / DK1RM

  • Hallo Freunde,


    als kleine Gemeinheit kann man ja auch behaupten, dass der 2SC1969 ein abgemeldeter Liebling der QRP Gemeinde gar kein HF-Transistor ist. Sein Gehäuse ist alles andere als HF gerecht. Richtige HF-Transistoren bringen das von Haus aus mit, und die kann man dann auch mit Glimmerplätchen montieren.


    73 de uwe df7bl


    edit: Tippfühler

    Uwe df7bl


    Wenn Du meinst etwas geht nicht, dann störe nicht die, die es gerade machen.

    Edited once, last by DF7BL ().

  • Wie Hajo und Uwe sehe ich da kein grundsätzliches Problem von Glimmer oder Silikon und auch kein grundsätzliches Problem des Auftrags von Wärmeleitpaste. Wenn ein individuelles Schaltungsauslegung dazu neigt zu schwingen, weil sich eine parasitäre Schaltungskapazität - aus welchen Gründen auch immer - geringfügig ändert oder durch Exemplarstreuungen des Transistors, dann macht es am ehesten Sinn, der Ursache ( phasengleiche Rückkopplung bei Verstärkung >1) der Schwingneigung auf den Grund zu gehen und sie nach Möglichkeit zu beseitigen. Da kann die Auswahl des Transistors, ein Widerstand oder eine Ferritperle in der Basiszuleitung oder ein Gegenkopplungs C zwischen Kollektor und Basis Wunder wirken und die Schaltung weitgehend immun gegen Schwingneigung werden lassen. Egal wie dick Wärmeleitpaste aufgetragen wird.


    73
    Günter

    "For every complex problem there is an answer that is clear, simple, and wrong" (H.L. Mencken)

    Edited 3 times, last by DL4ZAO ().

  • Hallo,


    ein bisschen wundern muss ich mich schon über dieses Thema. Wärmeleitpaste soll nur kleinste Unebenheiten in der Metalloberfläche von Transistor und Kühlfläche thermisch überbrücken. Sie soll in keinem Fall so dick sein, dass der metallische Kontakt fehlt und sich ein Kondensator ausbildet!!! Wir sind doch in der Elektronik und nicht in der Puddingküche! Nach dem Auftrag der Paste sollte mit einer Messerklinge bis auf einen dünnen Film alle übrige Paste wieder abgetragen werden - erst dann ist es richtig. Nur wenn der Transistor isoliert einzubauen ist benötigt man eine Glimmer- oder (tatsächlich besser) eine Silikonscheibe. Zur bloßen Wärmekontaktgabe sollte in keinem Fall eine Silikonscheibe verwendet werden - die bildet ja erst recht eine Kapazität!


    73, Uli, DK4SX