gibt es eine ergonomische Norm für Paddles / Elbugs ?

  • Einen Gruß an die neugierigen Leser und gleich eine bisher noch nicht angetroffene Frage:


    Bei der Fülle von Angeboten an Morsetasten, Paddles und alten Elbugs stellt sich aufgrund der erheblichen Preisspanne und der Unzahl an teilweise handelsüblichen Konstruktionen eine Frage:


    Gibt es indessen eine ergonomische Norm, wie sich ein Paddle oder eine Morsetaste unabhängig von der technischen Umsetzung bei der Handhabung verhalten sollten?

    (abgesehen von Rutschfestigkeit und Betriebssicherheit)


    Ich habe selbst mit Morsetasten an sich erhebliche Ausdauerprobleme hinsichtlich der Gebequalitat. Ursache ist wohl, dass ich früher Klavier spielte und somit ein anderes Feedback (u.a. Anschlagdynamik) zu hören und zu fühlen gewöhnt bin oder auch, dass eintönige Bewegungen die Hand ermüden.

    Da bin ich keinesfalls eine Ausnahme.


    Verschiedene Paddles und eine alte Elbug habe ich probiert und finde das bei weitem sicherer.


    Doch: Wenn ich selbst solch eine Paddle-Taste bauen möchte, nach welcher anzustrebenden Norm richtet man sich denn erfahrungsgemäß? Gibt es da irgendwo schon Richtlinien?


    Es gibt doch gewiß nicht ohne Grund solche mechanisch filigranen und oft teuren Meisterstücke mit aufwendigen Konstruktionen?


    Was empfehlen und wie argumentieren die eifrigen Nutzer von Paddles oder Morsetasten, wie auch Schnelltelegrafierer?

  • Hol Dir eine Sensorelektronik. Dann kannst Du Dir die Geber selbst bauen, d.h. z.B. aus 2 Löffel oder was auch immer. Da hast Du keine Mechanik etc. mehr, die Dich "ermüden".

    DJ5IL z.B. hat eine gute Elektronik namens CAP-Key auf http://cq-cq.eu/root.htm entwickelt. (gibt unzählige Links zu solchen Elektroniken).

  • Eine ergonomische Norm gibt es nicht.

    Ich empfehle den einfach zu realisierenden Nachbau von Frank DD1NN, weil ich die verwendeten Möbelgleiter aus dem Baumarkt selber als ergonomisch ideal betrachte (siehe QRZ.COM DL2LE).



    Finger und Daumen bewegen sich selten horizontal aufeinender zu, wie bei mir.

    Mein Daumen bewegt sich immer in einem bestimmten Winkel auf die Sensorfläche.

    Dadurch tragen die abgerundeten Sensorflächen zu einer angenehmen Haptik beim Geben bei.

  • Abgesehen davon, dass die verlinkte Webseite voll meine favorisierte klassiche Form des Amateurfunks trifft

    (ich kam durch das 1957 in der DDR herausgegebene Buch: Mit Logbuch, Call und Funkstation" von Martin Selber (OM Martin merbt, DM2APG 1972 mit 8 Jahren zum Amateurfunk),

    muss ich wohl ergänzen, dass es beim Morsen auch anderen OMs so geht, dass sie mit der Zeit Schmerzen und Unsicherheiten bis zur Sehnenscheidenentzündung bekommen haben und oft aussagten, das käme, wenn die Taste ergonomisch nachteilig gebaut ist.


    Aus der Geschichte der ersten Telegrafenstationen ist das auch bekannt, dass die OPs mit der Zeit physische Probleme bekamen.


    Man hat das genaue Klangbild im Ohr und kann sich dennoch nur schlecht auf Dauer zu sauberem Gebestil zwingen.

    Darüber redet offenbar niemand offen, auch wenn er das kennt.

    Da gibt es nur das Paddle als Lösung.


    Ja, ich kenne Morsetastenexperimente mit optische Strecken - sogar mit winzigen Klappspiegeln auf dem Tastenarm und Laserdiodenlicht - , kapazitiv arbeitenden Schwellwert-Strecken (Xc) oder Sensorkontakte mit Kontaktgummianschlag, Hallgeneratoren und Anderes.


    Habe auch die Spiralfedern in klassischen RFT-Morsetasten durch antipolarisierte Neodym-Magneten ersetzt und so eine ganz andere, steilere Federhysterese erreicht.

    So bekam ich wenigstens das nach einer gewissen Zeit aufkommende Prellen weg oder ich verwendete Relais-Kontaktfedern, die auf einem Umweg vom Hauptarm der Morsetaste abgehend schalteten, bzw. Reed-Kontakte.


    Nach einer Norm fragte ich daher, ob alle möglicherweise irgendwo zusammengetragenen Erfahrungen eine Empfehlung zu einer schonenden Ergonomie definieren und wenn man nach diesen solche Geber baut und es benutzen verschiedene OMs bei FDs oder Contesten dasselbe Gebegerät, dass sie alle auf Anhieb damit zurechtkommen und ungeachtet dessen, ob Jemand feine Mechanikerhände hat oder Bauarbeiterpranken bzw. Boxerhände, dass Jeder adhoc zu einem sauberen Gebestil kommt.


    Das Thema war schon so häufig dran, dass ich meinte, dass es irgendeine ausgereifte Endlösung geben müsste und keiner mehr darüber reden muß.


    Daher fragte ich.

  • Das finde ich total Spitze! Werde ich auf jeden Fall umsetzen! Gefällt mir!

  • Ich habe mir auch eine nach meinen Möglichkeiten gebaut und verwende diese Technik auch in meinen QRP-Geräten. Arbeitet mit einem ATMEGA48 und dem, was günstig verfügbar war. Stromverbrauch ein 0,4ma, nach 1 Std Ruhe 15µA.

    Die Kontaktflächen reagieren auf Fingerkapazität, gegeben wird durch wischen rechts/links. Die Flächen r/l schalten die Funktionen um. Ich kann damit am besten geben. Ist noch nicht ganz fertig, Schönheitspreis erhält sie sicher auch nicht.

  • Bau Dir doch eine Taste, die Du wie ein Klavier bedienst :P

    Zur Not bau ein Keyboard um. .oO(Die größte CW Gebeeinheit der Welt mit den meisten Tasten)

    Also ähnlich wie von DL8LRZ.

  • Hallo,


    der Artikel beantwortet Deine Frage nicht konkret, geht aber auf einige Probleme ein, die mich bewegten bzw. immer noch auf Trab halten. Oder profan: Es gibt die allgemeingültig geltende Empfehlung zur Ausformung einer Gebeeinheit nicht, aber jeder kann sich sein Anforderungsprofil selbst erstellen.


    Hajo

  • Moin lieber OM und Willkommen im Forum.


    Es wäre schön - da nicht nur ich Menschen gerne mit Namen anrede - Deinen bspw. in Deine Signatur zu nehmen. Das erleichtert die Anrede, musst den Namen nicht immer tippen. Ich suche ungern im WWW nach dem Namen. Man stellt sich im QSO ja auch vor. :) Die Website der BNA "nennt" Dich Hagen, also mache ich das auch.


    Moin Hagen. Zur Frage. Eine gute, wie ich finde. Allerdings ist mir in meinem AFU-Leben und speziell im Bereich Morsen noch keine Norm untergekommen. Das haben hier schon einige geschrieben.


    Worauf ich allerdings mein Augenmerk lenken möchte, ist, dass es neben der Ergonomie der Bedienelemente (egal ob Hubtaste oder Seiten(hebel)taste) schon eine Rolle spielt. Allerdings sehe ich eine wesentlich größere Rolle bei Deinen angesprochenen Problemen in der Art der Gebeweise. Also das haptische. Die Ergonomie um die Handhaltung, die Armhaltung, die Muskeln, die Unterlage(n) des Armes, Tisch- und Sitzhöhe und das ganze Drumherum, dass dazu führt, wie diese Hebel bedient werden.


    Dabei habe ich diesen -in der Regel bekannten- Film im Hinterkopf:

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    Und ja, es ist eine körperliche Herausforderung, schnell, sauber und lange zu geben. Das erfordert oftmals - gerade im höheren Alter - Training der gesamten infrage kommenden Muskulatur. Nicht nur die der Finger und der Hand, nein, weiter hoch den Arm und die Rückenmuskeln. Frag' nicht woher ich das weiss. Nein, nicht wegen Morsen...


    Als Klarvierspieler wirst Du sicherlich von derlei Dingen schon gehört haben. Denke ich mir mal...


    Was ich damit schreiben möchte: Neben den Eigenschaften der Tastenmechanik, die man sicher lange suchen kann, sollte die menschliche körperliche Seite nicht unbedacht bleiben.


    Es lief zum Thema Sensortechnik vor kurzer Zeit ein Thread, bei der ich neben der Elektronik auch diesen Film hier von einem bereits verstorbenen Forenmitglied vorgestellt hatte:

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    Idee ins Blaue und Aufgreifen einer Anregung weiter oben: Sowas mit einer Klaviatur aufbauen.

    73 Michael, DF2OK
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    Edited once, last by DF2OK ().

  • Hallo,

    ich hatte mit der Hubtaste mal massive Probleme mit dem "K". Hab' auch neulich einen OM mit gleichem Problem auf dem Band gehört. Scheint also nicht ganz selten zu sein. Hab' ne ganze Weile gebraucht, um das wegzuüben. Bin dann irgendwann auf Paddle umgestiegen. Dummerweise hatte ich von Jambic noch nie was gehört und hatte natürlich entsprechende Probleme.

    Bei Paddle könnte eigentlich nur der Abstand der Griffe ein Problem darstellen. Bei meiner Profi M war er mir persönlich zu klein.

    Vy 73, Bernd.

  • Hubtaste mal massive Probleme mit dem "K"

    Bei mir nehme ich zum Einstellen der Mechanik einer Hubtaste gerne das "L". Je nach Tempo kann man mit wenig ! Verstellung von "geht überhaupt nicht gut" bis "perfekt" alles hinbekommen. Leider tempoabhängig. Viel zu wenig OP denken daran, wie fein man Hub und Federrückstellkraft einstellen kann und muss. Zeichnet auch eine gute Mechanik aus.


    Und, was bei einer Hubtaste wichtig ist: Man schaltet einen virtuellen Schalter unterm Handgelenk!.

    Siehe Filmlink. Bis das bei meinen Kandidaten gesessen hat, dauerte es. Wenn alles richtig zusammenpasst, dann kan der Schwung der Hand gut ausgenutzt werden. Siehe auch Filmlink etwas weiter oben.


    PCW-Fistcheck ist zur Kontrolle (und zum Üben) für alle ! Tasten und Einstellungen ein ideales Programm.

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  • Vor vielen Jahren musste noch alles stimmen, um mit dem Elbug sauber zu geben.


    Sitzhaltung, Ellbogenstellung, Positionierung der Taste, Abstand der Paddles, sauberer Mithören und vieles mehr.

    Nach Jahren regelmäßiger CW-Aktivität ist das alles Schnee von gestern.


    Ob CW früher mobiler Weise während der oft langen QRL- Reisen, oder heute auf dem Sofa liegend genüsslich QSOen, ist nur eine Frage der Übung.

    Ich empfehle mehr Praxis und weniger Theorie, aber

    "jeder hat das Recht anders zu denken und zu handeln als ich".


    Mit 73 Dieter

  • Bau Dir doch eine Taste, die Du wie ein Klavier bedienst :P

    Zur Not bau ein Keyboard um. .oO(Die größte CW Gebeeinheit der Welt mit den meisten Tasten)

    Also ähnlich wie von DL8LRZ.

    Na, das wäre mehr zu spaßig! Doch für Blinde könnte ich mir vorstellen, dass die eine Tastatur analog den Braille-Schreibmaschinen gebrauchen können. Aber das ist genauso unsportlich, wie eine Morseschreibmaschine oder den PC zu benutzen.



    Lassen wir den Spaß beiseite.

    Die OMs zuvor haben völlig recht.

    Aber mir ging es nur darum, ob man sich irgendwo darüber einig ist, was man eventuell zur Norm nehmen kann. Experimentieren und üben kann man ja auch weiterhin.


    Das mit dem sauberen Geben mit "L" - ja man muss alles mit Liebe machen - wurde mir bei einer "FER"-Hubtaste so erklärt: Man nehme ein Blatt Papier der Sorte 80g/m², falte es vier Mal und lege es zwischen die Kontakte am unteren Anschlag, drehe dann den Hub soweit herunter, dass man das Papier gerade noch so herausziehen kann und fixiere die Schraube.

    Das wurde in der Morseausbildung am Funkpult zum Standard erhoben. Aber das war bei ca. 30 - 50 Zeichen pro min. Sowas Langsames - da kann man sich ja nicht auf das Klangbild konzentrieren. Habe aber so sauber geben können. Ab 60 Zeichen aufwärts immer wieder unliebsame Preller.

  • Korrektur des zweiten Links im Post #10:

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    73 Michael, DF2OK
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  • Hallo Dieter, das Call ist DD2NU ;)

    73 de Frank

  • Hallo DO2AH,


    als Feinmechanikermeister habe ich die Erfahrung, dass es keine "genormte Taste" gibt. Dazu sind die Menschen mit ihren Eigenschaften zu unterschiedlich. Ich selbst baute mir eine Taste.

    Aber nach den jahrelangen Erfahrungen komme ich mit der Vibroplex Doppelpaddle am besten zu recht. Diese ist für mich am besten für die Squeezetechnik geeignet. Beim Squeezen wird die Bewegung von Daumen und Finger auf ein Minimum reduziert.

    Vorschlag: viel telegrafieren, dabei verschiedene Tasten ausprobieren und danach entscheiden.


    72 & 73 de

    Jürgen, DF3OL

  • Verschiedene Paddles und eine alte Elbug habe ich probiert und finde das bei weitem sicherer.

    So ist es auch. Ich habe sofort nach der Pruefung 1976 in Deutschland die Handtaste ad acta gelegt. Man sollte so schnell wie moeglich auf Paddles umsteigen. Bugs, na ja, ich mag die Dinger nicht und die meisten haben damit eine "Sauklaue".


    Iambic muss nicht sein, man kann Squeeze Paddles auch ohne Iambic Gebeweise bedienen. Spaeter dann langsam in Iambic reinarbeiten, oder auch nicht.

    Wenn Du den fuer Dich optimalen Abstand herausfinden moechtest, geht das mit temporaerem Aufkleben von leichtem Material. Natuerlich nicht mit Uhu oder Pattex draufkleben :)


    An Deiner Stelle wuerde ich im OV fragen, was die Leute so benutzen und dann deren Tasten probieren. Anfangs kann man mit der klassischen Bencher BY1 nichts falsch machen. Wenn man die auf kleinen Kontaktabstand und wenig Federkraft einstellt ("Hair Trigger"), dann ermuedet das auch nicht gross.


    Was Ermuedung angeht, geschieht das auch viel oben "in der Birne". Man wird einfach muede. Je nach Tagesform und Tagesstresspegel fange ich nach einer halben bis einer Stunde Ragchew an, beim Geben unsauberer zu werden. In meinem Fall sind das meist 100-110bpm. Ich hatte gerade wieder ein QSO und da fing es nach 40 Minuten an. An meinem Armgelenk und an den Fingern liegt das nur an Tagen, an denen ich z.B. stundenlang Holz gehackt habe.


    Die Ergonomie spielt sicher auch eine Rolle, aber da sind Leute in ganz anderen Situationen unterwegs. So wie Rick N7HRK:


    https://cdn-bio.qrz.com/k/n7hrk/IC7000_01.JPG?p=87d2c6c9722fa30282a00df96595cbc6


    Oder vor einigen Wochen Barry KD6XU/mm auf einer 9m Segelyacht mitten im Pazifik, der auch bei ordentlich Seegang mit dem Bencher BY1 noch sauber gab. Das macht sicher die Uebung, wie hier bereits gesagt wurde.


    73, Joerg