HF und Lebensgefahr?

  • Hallo,

    Mir ist bewusst, dass das Berühren einer Antenne während des Sendebetriebes ein No-GO ist. Davon bekommt man Brandblasen und das erhöhte SWR tut dem Transeiver (älteren Modellen) auch nicht gut. Die auf der Antenne/Leitung herschende Spannung kann man ja einfach berechnen, aber wie verhält sich das mit dem Herzen und so hohen Frequenzen? Wie anders reagiert der Körper bei sowelchen Frequenzen? Welche Spannung ( Sendeleistung ) ist bei 3,5 Mhz tödlich für das Herz oder was passiert davor? Ich möchte gerne Wissen was im schlimmsten Fall passieren könnte, wenn man an eine offene HF Leitung oder Antenne kommt. Vielleicht ist bei einen der älteren Endstufe die Seele auf das Gehäuse gekommen oder so.

    Mir ist klar, dass das Thema ein eher düsteres ist, aber trotzdem wollte ich diese frage los werden. Sollte viel Kritik kommen, werde ich den Beitrag natürlich löschen. Ich will niemanden töten, ich will nur Wissen ab wann HF tödlich sein könnte.

    73 Lukas

  • DO8CO

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  • Moin Lukas,


    so Dumm ist die Frage ja eigentlich garnicht aber ich Denke es kommt weniger auf die Spannung an sondern auf den fließenden

    Strom in Abhängigkeit von der Frequenz. Da kommt es durchaus schon ab und an zu Herz Rhytmus Störungen. Als wir damals

    in der Umschulung in Fernsehstufen rumgewurschtelt haben und ab und an mal einer einen abbekommen hat ging es dann

    grundsätzlich erstmal in die Klinik ans EKG. Ich würde adhoc mal behaupten je höher der Strom und je höher die Frequenz desto

    schlimm.


    Ob es da "Grenzwerte" gibt k. A. aber vielleicht weiß ja jemand hier mehr.

    73´s Jürgen , ALT-512 SDR 10 Wtts, mittlerweile 50m endgespeist an der Luft + TS-790E für VHF/UHF mit Indoor X-30 und

    4-Ele LPDA. Moxon für 6m/4m ebenfalls Indoor .... Xiegu G90 mit Eremit 18 AH LiFePO4 und 12m Spidermast für outdoor.

    Member Log4OM Alpha- & Betatest Team

  • Für die zulässigen Berührungsspannungen gibt es eine Norm, die EN 50191:2010 in DL DIN/VDE 0104. Dort sind in Tabelle A1 die Grenzwerte aufgelistet. Bei Frequenzenz über 1MHz gibt es keine genormten Regeln, da durch den Skin Effekt anscheinend kein nennenswerter Strom durch den Körper fließt.


    Die Berufsgenossenschaft sagt:

    Von einer Gefahr beim Berühren unter Spannung stehender Teile ist auszugehen, wenn:

    • die Spannung bei Frequenzen bis 500 Hz mehr als 25 V AC oder 60 V DC beträgt,
    • der durch die Spannung hervorgerufene Strom bei Wechselspannung größer als 3 mA effektiv bzw. bei Gleichspannung größer als 12 mA ist,
    • bei Frequenzen über 500 Hz die zulässigen Stromwerte nach Tabelle A.1 der VDE 0104 überschritten sind (hängt als Bild an)
      oder
    • die elektrische Entladungsenergie höher als 350 mJ ist.

    Auch wenn diese Werte eingehalten sind, müssen alle zu erwartende Risiken bedacht werden und gegebenenfalls Maßnahmen zur Minimierung von Gefährdungen getroffen werden, z.B. Lichtbogengefährdung bei einem Akkumulator, Gefährdung durch hohe Entladungsenergie bei einem Kondensator.


    73, Günter



    Die Tabelle leider nur in englisch aus der EN Norm, die im Internet verfügbar ist. Die deutsche Version als VDE 0104, obwohl großteils aus Steuergeldern finanziert, gibt es nur gegen Einwurf großer Münzen beim Beuth Verlag. Beuth kommt anscheinend von Beute.

    "For every complex problem there is an answer that is clear, simple, and wrong" (H.L. Mencken)

  • Gedanken über die direkte Berührung hinaus:


    Ein Ansatzpunkt für die weitere Recherche könnten aktuelle Grenzwerte gem. 26. BImSchV in der aktuellen Fassung von 1996 sein,
    eine geeignete Startseite BfS - Grenzwerte - Grenzwerte für hochfrequente Felder und dort weiter BfS - Sie haben Fragen – Wir haben Antworten - Wer legt Grenzwerte fest?

    Interessantes Thema, die nachgewiesene Wirkungen (thermisch, athermisch, ...) mit geltenden Grenzwerten in Relation setzen zu können.

    Weitere grundlegende Studienarbeiten findet man sicher auch online, da habe ich mich aber bislang noch nicht reingekniet.

    72/73, Tom 4 . .-


    Das schöne an einheitlichen Standards ist, dass man so viele verschiedene zur Auswahl hat.

  • Es geht hier aber nicht um Felder sondern um direkte Berührung. Die Grenzwerte für die Felder sollte jeder Funkamater zumindest an geeigneter Stelle suchen können und aus der Ausbildung bzw. der eigenen "BemFV-Anzeige" kennen.

  • Ein Bekannter von mir hat es überlebt, wollte die Endstufenröhre einer Seefunk Landfunkstelle ziehen. Das Problem ist die Behandlung ... örtliche Krankenhäuser haben keine Ahnung wie man HF Schäden behandelt. Die Oberfläche der Arme soll weiss gewesen sein, erzählte er mir vor Jahren. Weiteres ist mir nicht bekannt, außer das er immer noch wohlauf im Ruhestand lebt.


    73 Karsten

  • Fass mal bei QRP an eine Magloop ... Viel Spass ... ;) ;)

    Und nicht nur da... 5W CW bzw. 10W SSB - bei passenden Antennen und an den passenden Stellen schon 'ne Menge Holz. Kann man ja mal ausrechnen, welche Spannungen an hochohmigen Teilen (also bspw. Endpunkten von Dipolen) anstehen. Man(n) kanns auch mal ausprobieren, denn Praxis im Erleben ist durch nichts zu ersetzen. ;) Mit einem Phasenprüfer, dessen Glimmlampe Zündspannungen um 80-100Volt liegen, kann man das schon mal testen. Also einfach mal kapazitiv koppeln. Also in die Nähe bringen. Die Phasenprüfer haben noch einen Vorwiderstand eingebaut, der beim Testen und direktem ! Kontakt bei 230V die Lampe nicht zur Zerstörung führen UND den Operator auch nicht. Oder andersherum, je nach Wichtigkeit, hi.


    Ein Phasenprüfer an der Mag-Loop am Kondensator - fein.


    Oder wie hier, in der Pi-Filter-Spule meines AMECO.

    Der Phasenprüfer ist mit nix verbunden. Physisch jedenfalls nicht. Und die Glimmlampe leuchtet heller als beim Testen an einer Steckdose!


    73 Michael, DF2OK
    "Ich löte, also bin ich."
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