Lötkolben - ein Irrtum

  • Hallo Uwe,
    ich habe vor kurzem eine Platine eines Bausatzes gelötet, bei dem ich mit den ~300 Grad bestens zurechtkam, im Sekundentakt floss das Lot und bildete gute konkave Lötpunkte.


    Das hab ich kritiklos übernommen, wohl aber ohne zu beachten, daß das BCR eine Multilayerplatine mit entsprechenden Masseflächen hat.


    Ich denke, da lag mein Fehler
    Ansonsten hab ich alles mit 0,8 bzw. 0,4 mm Spitze gemacht und bin ganz zufrieden damit, hier aber war die Leistungsgrenze überschritten.

  • Hallo ,


    um dieses Thema gibt es viele Wahrheiten oder auch Halbwahrheiten . Ich möchte meine
    Erfahrungen von 25 Lötplätzen der letzten 10 Jahre im QRL weitergeben .
    Bei bleifrei löten die Spitze nicht unter 0,8mm und die Löttemperatur auf keinen Fall über
    395 °C legen . Warum : Bei 0,4 mm Radius zieht sich das Lötmittel zu schnell zurück und
    die Spitze wird Passiv . Bei Temperaturen von 400°C oder darüber verkürzt sich die
    Lebensdauer der Spitzen bedingt durch Oxidation dramatisch , bei uns waren solche Spitzen
    nach zwei Arbeitstagen defekt .Auch ist bei 0,4mm die Wärmeübertragung logischerweise
    bedingt durch den kleinen Querschnitt zu gering und endet in Braterei .
    Bei verbleit löten gilt das gleiche , nur die Lötemperatur kann auf 380°C gesenkt werden .
    Bleifrei Lote sollten mindestens 3% Silberanteil haben , alles andere funktioniert nicht richtig.#


    72 u. 55 Stephan

  • Hallo miteinander,


    meinen Speaky habe ich mit einem 48W ELV-Lötkolben und 360 Grad gelötet. Die meisten Lötstellen waren damit kein Problem. Dennoch gab es an den Masseflächen Schwierigkeiten, vor allem beim löten der Übertrager. Diese habe ich dann mit 425 Grad gelötet um die starke Wärmeabfuhr mit hoher Temperatur zu kompensieren, wobei es dennoch manchmal grenzwertig war. Die größten Probleme gab es auf den Bandmodulen.
    Ich war mit meinem Ergebnis soweit zufrieden, denke aber dass ich künftig besser auf 380 Grad erhöhe.
    Mit Temperaturen über 400 Grad löte ich sehr ungern, da die Lötspitze nach relativ kurzer Zeit "trocken" aussieht und dann keinen vernünftigen Wärmekontakt an das Ziel bringt. Ich muss dann sehr oft mit Lötzinn an die Spitze damit diese wieder schön silbrig "nass" aussieht...
    Ausnahmen, wenn ich auf 425 Grad gehe, sind das auslöten von Bauteilen auf durchkontaktierten Leiterplatten und löten auf größeren Masseflächen.
    Achso, die Spitze ist 0,8mm und hat sich sogar für die meisten SMD Bauteile geeignet. :)


    72, Rainer

    I schwätz noch dr schrift! Oder schreib i noch dr sproch?!?

    Edited once, last by DG5SBK ().

  • Rainer,


    ich löte generell mit 385 Grad heißer Spitze. Diese hat eine Breite von 1,5 mm. Bei Blechlötungen nehme ich eine 2,5 mm breite Spitze und erhöhe auf maximal 405 Grad. GENERELL sollte auf dem Lötkolbenständer ein nasser Lötschwamm liegen, an dem man vor JEDER Lötung die Spitze abwischt. Dann ist sie immer sauber und silbrig glänzend und es ist kein überflüssiger Lötzinntropfen dran.


    SMDs bis 0805 löte ich ebenfalls bei 385 Grad mit 0,5 mm breiter Spitze oder bei noch kleineren Bauformen mit einem SMD-Lötkolben gleicher Wärmeleistung (80 W). Im QRL haben unsere Techniker auch kleinste SMDs grundsätzlich mit 400 Grad gelötet. Dann muss man allerdings jedes Vierteljahr die Spitze wechseln. Allerdings nicht wegen der Lötungen , sondern weil die Kolben 10 h am Tag in Betrieb waren und dann das Zinn doch schneller ins Kupfer migriert.


    73, Uli, DK4SX

  • Gibt es eine Empfehlung für eine Lotstation?


    Ich bin noch kein OM, gerade am Lernen und will mir vorab schon mal den Harzburg bauen. Früher hatte ich mal einen Weller-Magnastat, aber der ging dann irgendwo herum und jetzt habe ich nur einen Brutzler (keine Station), der maximal zum Stromkabel-Löten taugt :-)


    Über eine Antwort wie "Schau doch mal bei Conrad / Reichelt / Pollin nach X, oder Y, oder Z" wäre toll :-)




    Übrigens mal ein Lob an die QRPler. Kleiner Background: vor mehr als 20 Jahren lernte ich viele Funkamateure kennen, teils durch einen damaligen Apple-Computerverein (AUGE e.V.), teils durch die AK Funk an der TH Darmstadt. Aber da ich schon Computerei hatte, mit HF nicht so doll war, und eigentlich damals alle Geräte gekauft waren, hat es mich dann doch nicht soooo interessiert. Es war für mich nicht interessant genug, einen K.,Y. oder I. zu kaufen, anzustöpseln und loszulegen. Also habe ich damals die Prüfung nie gemacht.


    Zwischenzeitlich habe ich den Amateurfunk aus den Augen verloren.


    Und vor zwei Jahren fiel mir dann QRP und SDR auf, zwei Dinge, die mich interessieren. Und deswegen habe ich mich vorletzte Woche entschlossen, aktiv für die Prüfung zu lernen.


    Und so will ich mir zum Einstieg einen Harzburg bauen, und später dann noch das eine oder andere Gerät. :-)

  • Hallo Holger,


    ich arbeite schon einige Zeit mit einer Ersa RDS 80 und bin mit der Lötstation genauso zufrieden wie mit meiner "alten" Ersa zuvor. Die "alte" hatte nur 50 Watt und das ist heute leider zu wenig, da viele Leiterplatten Multilayer und große Masseflächen haben. Wenn ich mir heute eine Station kaufen wollte, würde ich auf folgende Dinge achten:
    - mindestens 80 Watt
    - Temperatur einstellbar, Maximaltemperatur > 400° erforderlich
    - Lötspitzen wechselbar und gängiger Artikel
    - Lötkolben wechselbar (Falls er mal den Geist aufgibt...)
    - vernünftige Ablage für den Kolben mit Ablage für den Schwamm


    Andere Bastler haben vielleicht noch einige andere Punkte und eine andere Reihenfolge, vielleicht bekommen wir ja ein "Pflichtenheft" für eine Lötstation zusammen ;-)


    Schön, das Du zu uns gefunden hast!


    Viele Grüße
    Jürgen

  • Hallo Uli,


    das mit dem nassen Lötschwamm mache ich auch immer. Obwohl die ein oder anderen OMs in meinem OV der Meinung sind dass ein nasser Lötschwamm die Spitze mehr schädigt als ein trockener. Wie Du schon schreibst reinigt ein nasser Schwamm die Spitze besser und einen Schaden kann ich auch nach 12 Jahren Betrieb mit der gleichen Spitze nicht feststellen... Nicht erschrecken, ich löte eher selten! Denke jedoch dass die Spitze mittlerweile auch so 3-4 hundert Betriebsstunden auf der Lebensuhr haben wird.
    Ach ja: Das Lötzinn oxidiert schneller bei höherer Temperatur, darauf wollte ich eigentlich raus. :)
    Es freut mich dass ich mit meiner Erkenntnis zum Lötschwamm als Hobbybastler nicht falsch liege. Genauso lasse ich bei Lötpausen ab ca. 10 Minuten, wenn ich also weiter bestücke oder die Schaltung mal kurz teste, die Spitze auf 150 Grad abkühlen. Mein Gefühl sagt dass es der Spitze gut tut nicht immer unter "Volldampf" zu stehen und ganz abkühlen dauert halt länger. Hoffe dass ich damit auch nicht all zu falsch liege...


    @Holger, meine Lötstation habe ich bei ELV gekauft. Ich bin an sich sehr zufrieden, würde aber gerne mehr Leistung sehen, wie es Jürgen ja auch schon geschrieben hat.
    Meinen LS50 gibt es dort sogar noch und die haben jetzt auch eine 80Watt Variante im Programm (LS80).


    Ich hoffe ein wenig geholfen zu haben, man möge mir wegen der Schleichwerbung verzeihen.. :rolleyes:


    72 + gut Fluss, Rainer

    I schwätz noch dr schrift! Oder schreib i noch dr sproch?!?

  • Ich arbeite mitlerweile mit einer Weller "WS81 T". Diese Lötstation arbeitet mit 80W und hat eine Ablage mit automatischer Abschaltung. Es gibt auch Lötstationen, bei denen der Lötkolben auf eine einstellbare Temperatur heruntergeregelt wird, wenn der Lötkolben im Ständer abgelegt wird. Diese waren mir aber zu teuer.
    Anders als meine Vorredner arbeite ich mit einem Abstreifschwamm aus weicher Metallwolle (ähnlich grober Stahlwolle).


    Zu diesem Thema passt auch der Beitrag:
    http://qrpforum.de/thread.php?threadid=128


    Ich arbeite übrigens fast immer mit einer 2mm breiten Meißelspitze - auch die ganz kleinen SMD-Bauteile. Nur wenn es unbedingt sein muss, nehme ich eine kleinere Spitze.


    Grüße Jörn