Fuchskreis vs. EFHW vs Langdraht. Alles eins?

  • Hi,


    Die 3 Antennenvarianten sind doch alle das gleiche, mit dem einzigen Unterschied, daß beim Langdraht der Tuner extern ist.

    Bei den anderen beiden zählt die Anpasseinheit, aka Tuner, zur Antenne.

    Seh ich das richtig?

  • zur EFHW weiss ich zu wenig, aber auch ein Fuchskreis ist wie ein Tuner ein Anpassglied, welches die Impedanz des Senders mit der von dieser abweichenden Antennenimpedanz anpassen soll; und ob man einen Tuner oder ein Anpassglied zur Antenne zählen soll oder nicht, ist für mich eher eine rhetorische als eine technische Frage

  • Ob es eine technische oder rein rhetorische Frage ist, da bin ich mir nicht so sicher.

    Falls rethorisch zutrifft, bitte verschieben in den Theorieteil.


    Eine EFHW hat wie ein Fuchskreis oder Tuner eine Anpassung, die aber fest ist. Also eher "Monoband", was aber auch auf mehreren Bändern funktioniert. Schon getestet.

  • Eine endgespeiste Halbwellenantenne wird klassischerweise über einen Fuchskreis gespeist, einen angezapften Parallelschwingkreis, der als Resonanztransformator wirkt und die extrem hohe Speisepunktimpedanz am Ende der Halbwellenantenne (bei Resonanz des Schwingkreises) auf 50 Ohm herunter transformiert. Ein paar Abweichungen der Antennenlänge oder Beeinflussungen durch Reif oder Tautropfen an der Antenne oder durch die Umgebung lassen sich mit dem Fuchskreis einfach "wegstimmen".

    Diese Antenne braucht KEIN Gegengewicht (oder nur ein ganz winziges, wie man in der englischen Antennenliteratur nachlesen kann).


    Was heutzutage als endfed halfwave (EFHW) bezeichnet wird, ist auch eine endgespeiste Halbwellenantenne, die aber über einen Transformator gespeist wird, der ein Impedanztransformationsverhältnis (tolles Wort, finde ich) von 1:49 oder gar 1:64 aufweist. Dieser Transformator soll die extrem hohe Speisepunktimpedanz am Ende der Halbwellenantenne soweit herunter transformieren, dass sie auch (in etwa) 50 Ohm beträgt. Dieser Transformator soll das für mehrere Bänder tun und die harmonischen Vielfachen passen auch relativ gut "auf den zu langen Strahler". Man muss den Transformator nicht abstimmen, wie den Fuchskreis - aber man kann ihn auch nicht abstimmen, wie den Fuchskreis. Er spielt auf allen Bändern mehr oder weniger gut - und bleibt damit ein Kompromiss. Kann sein, dass das VSWR auf einigen harmonischen Bändern trotzdem so schlecht ist, dass man einen Koppler zwischen Transceiver und Transformator benutzen möchte.

    Auch diese Antenne braucht eigentlich KEIN Gegengewicht.


    Eine Langdrahtantenne ist eigentlich eine Antenne, die relativ zur Wellenlänge LANG ist. Aktuell wird dieser Begriff aber für eine quasi beliebig lange Drahtantenne benutzt, also eine Drahtantenne mit "zufälliger" Länge - vom Fenster bis zum Baum am Ende des Gartens, weil der Garten eben ist, wie er ist und der Baum nun mal dort steht.

    Solch eine Antenne wird in den meisten Fällen, also wenn sie nicht deutlich kürzer als eine Viertelwellenlänge ist, eine mittlere Impedanz und auch kapazitive oder induktive Anteile haben - oder durch Zufall auch mal resonant sein, also um die 50Ohm herum liegen - oder gar mal als Halbwellestrahler bei 2kOhm liegen...

    In den seltensten Fällen (also quasi IMMER!) braucht sie ein gutes Gegengewicht - "trotz" Antennenkoppler. Nur dass der Koppler es trotzdem nicht immer schafft, diese Antenne anzupassen. Und wenn das Gegengewicht nicht wirklich niederohmig ist, wenn das erforderlich ist, hat man überraschende Effekte in der Station...


    Zu Deiner Frage: Nein, ich halte das NICHT alles für Dasselbe.

    73 Andy

  • Um den Anpassbereich für Antennenkoppler und Fuchskreise zu messen, habe ich mir eine hochohmige Antennennachbildung gebaut,

    die hat 2,2kOhm und ist quasi rein rell, weist also kaum Blindanteile auf. An dieser Antennennachbildungkann ich dann auch messen und dadurch Vergleiche anstellen.

    Meine Fuchkreisanpassung hatte mehr Verlust als mein 1:64 UNUN.

    Was Du da schreibst, lieber Peter, kann ich aus meinen Erfahrungen nicht bestätigen. Oder anders gesagt, das ist eine Frage des Aufbaus. Bei sinnvoller Dimensionierung ist der Fuchskreis dem 1:64 UnUn überlegen - aber es ist quasi ein Monobandkoppler. Man kann ihn aber auch so aufbauen, dass sein Wirkungsgrad wirklich sehr schlecht ist.

    Diverse Bauanleitungen und auch Bausätze dimensionieren den Fuchskreis schlichtweg FALSCH! Als sich die Speisung mit Koaxialkabeln etabliert hat, ist so Einiges an Wissen fast komplett verloren gegangen. Wenn man alten Büchern nachschlägt, kann man etwas zu diesem Thema finden, dass einen auf den richtigen Weg bringen kann...


    73 Andy

  • Entschuldigt wenn ich dazwischen grätsche, habe auch den Fuchskreis vom QRP Projekt in Verwendung an einem 41m langen Draht. Der lief von haus aus gut, aber er wurde noch besser, als ich den Quetscher - Drehko durch einen herkömmlichen, größerer Bauart ersetzte. Ich glaube damit wurde nicht nur die Anpassung bei mir besser, sondern auch der Wirkungsgrad.

    Beste grüße in die Runde,

    72, Ingo, DO4ISL

    P.S.: Entscheidendes Merkmal vom Fuchskreis, das er sehr schmalbandig ist und somit den Empfängereingang vom restlichen "Müll" links und rechts der Empfangsfrequenz freihält... :thumbup:

  • Eine Langdrahtantenne ist eigentlich eine Antenne, die relativ zur Wellenlänge LANG ist.

    Zu Deiner Frage: Nein, ich halte das NICHT alles für Dasselbe.

    73 Andy

    Ich meine keine "random wire "Antenne, die sind irgendwie heftig im SWR und ähnlichem.

    Kann sein, daß ich mit Langdraht den falschen Begriff gewählt habe, sowas passiert heute bei fast allem.

    "Langdraht" ist einfach, Draht mit der halben Wellenlänge.

    Genaue Definitionen zu finden ist heutzutage fast unmöglich. Man liest viel, aber nochmehr davon ist müll.

  • Dann sollten wir in Zukunft : "ein langer Draht ANT" schreiben ;)

    Für den einen sind 10 m Länge schon lang und für den anderen erst über 100 m Länge ......

    Natürlich in Rücksichtnahme der QRG.

  • Im Grunde kann man eine Antenne an jeder beliebigen Stelle speisen, man muss es nur mit der richtigen, an dieser Stelle vorhanden Impedanz, tun. Wenn an der vorgesehenen Stelle nicht die mit dem Koaxkabel üblicherweise kommenden 50 Ohm sind, muss man eben transformieren. Alles was ihr oben beschreibt Fuchskreis, Unun, Tuner, etc. sind solche Transformatoren . Welchen man wählt hängt vom jeweiligen Anwendungsfall ab.

    Nehmen wir mal ein Beispiel: Ein Halbwellendipol soll an seinem hochohmigen Ende gespeist werden. In der Praxis bedeutet das, je nach Erdverhältnissen und Antennenhöhe, etwa 2000 bis 4000 Ohm.

    Möchte man den Dipol nur als Einbandantenne nutzen, kann man z.B. einen Fuchskreis nehmen. Ein Fuchskreis ist nichts anderes als ein Parallelschwingkreis, der bekanntlich auf der Resonanzfrequenz hochohmig ist. Dort kann man das Ende des Dipols anschließen. Das Koax kommt an eine Anzapfung des Schwingkreises an der 50 Ohm sind. 90% aller UKW-Seefunkantennen machen das genau so. Es sind Halbwellendipole mit einem Schwingkreis zur Anpassung am unteren Ende. Dabei hat man nicht nur den Vorteil, dass die Speisung anwendungsfreundlich am unteren Ende ist, sondern auch dass, weil es sich ja um einen in sich resonanten Dipol handelt, keine Erde benötigt wird.

    Möchte man den Dipol auch auf Oberwellen betreiben, geht das mit dem Schwingkreis, der ja nur auf einer Frequenz arbeitet, nicht mehr. Dann nimmt man üblicherweise einen breitbandigen Unun, der bei 1:49 aus den 50 Ohm des Kabels 2450 Ohm macht. Braucht man eine noch höhere Impedanz, weil z.B. die Antenne sehr hoch hängt und/oder der Boden sehr trocken ist, nimmt man 1:64 und erhält dann 3200 Ohm.

    Wenn die Impedanz bei Mehrbandbetrieb in weiten Grenzen schwanken kann, muss man auch einen Übertrager mit veränderbarem Übersetzungsverhältnis haben. Das wäre dann ein Tuner.

    Das ist das Grundprinzip, alles andere sich nur Variationen davon um z.B Symmetrie zu erzwingen oder auch komplexe Impedanzen anzupassen.

    Schwierig wird die ganze Sache vor allem, weil gerade im AFU viele Antennen, die im Grunde gleich oder sehr ähnlich sind, unter immer neuem Namen auftauchen. Da wird irgendeine Kleinigkeit geändert und schon meint der "Erfinder" dem Ding seinen Namen (Fuchskreis ist so ein Beispiel) verpassen zu müssen. Das macht die Sache nicht gerade übersichtlich.


    73 Martin

  • Schöne Ausführung Martin! Eine Ergänzung für Interessierte an dieser Stelle: Der Fuchskreis von QRP-Project beruht prinzipiell auf den althergebrachten, klassischen Fuchskreis, der aber dahingehend weiterentwickelt wurde, dass man mit einer Antennenlänge durchaus auch auf mehreren Bänder auf Resonanz abstimmen kann (zwei getrennte Induktivitäten mit mehreren Anzapfungen). Einfach aber genial! :thumbup:

    Hier noch der Link zum Handbuch, welches dankenswerterweise von QRP-Project für alle Interessierte online gestellt wurde.


    Beste Grüße, 72, Ingo DO4ISL.

  • "Langdraht" ist einfach, Draht mit der halben Wellenlänge.

    Ich meine mal gelesen zu haben "Langdraht" > eine Wellenlänge.

    "half wave" = halbe Wellenlänge (logisch), alles andere (zufällige Länge) = "random wire".

  • jep, Langdraht ist alles > 1 lambda; oft bezeichnen die Leute ihre Drähte als Langdraht obwohl es meist eben random wire sind; natürlich kann eine random wire auch ein Langdraht sein, wenn die Länge grösser ist als das lambda der tiefsten Betriebsfrequenz

  • 100% für den Beitrag von DK4FD, er trifft den Kern. Und die Bauart, z.B. Fuchskreis oder UnUn, sagt noch nichts über die Verluste aus. Die hängen vom konkreten Aufbau und den Materialeigenschaften von Antenne und Anpassglied ab und nicht zuletzt davon, ob die Drahtlänge exakt ist oder nur einfach laut Buch abgemessen und ob das das Anpasselement ausgleichen kann, wenn nicht alles genau getroffen wurde, z.B. wegen anderer Umgebung gegenüber dem Muster.

    Ein Langdraht (eine relativ verwaschene Deffinition, meine ich) ist nun mal ein langer Draht, würde mich >1 Lambda anschließen, aber halt nicht automatisch eine EFHW, weil er nicht ein vielfaches von Lamda/2 sein muß, sondern jede beliebige Länge annehmen kann und damit auch alle möglichen Impedanzen für exakte Anpassung.

  • Ein Langdraht (eine relativ verwaschene Deffinition, meine ich)

    Hat sich offensichtich für alles was dünn ist und in der Luft hängt eingebürgert. Wenn man das "Lang" weglässt bleibt "Drahtantenne". Das haut dann meist hin.


    Guter Beitrag von DK4FD, er bringt es auf den Punkt.


    Die Unschärfen kommen meist daher, dass man nicht zwischen "Antenne" als dem eigentlichen Strahlerelemtent und dem "Antennensystem", das auch die Ankopplung, Abstimm- Und Transformationsmittel und ggf. die Leitung und Erdung/Gegengewicht mit einschließt. Vom Strahler her sind Fuchs- und EFHW ziemlich gleich. Als Antennensystem unterscheiden sie sich beträchtlich.


    73

    Günter

    "For every complex problem there is an answer that is clear, simple, and wrong" (H.L. Mencken)

  • Danke Martin.

    Sehr guter Beitrag, aber es soll auch bei EFHW ein kleines Gegengewicht helfen alles zu verbessern. Afair 0.05*Lambda .

    Alles in Allem, so wie ich es mir gedacht hatte.


    Danke für die hilfreichen Antworten.