Silikongummiadlerleitung nützlich oder nicht

  • Hallo.


    in meinem Keller habe ich noch ein paar Meter sogenannte Silikongummiadlerleitung gefunden. NA2Gf 0,75 mm², ist aus der ehemaligen DDR. Ich weiß, das ist kein PTFE, aber kann man das als Ersatz nehmen oder besteht der Mehrwert nur in der besseren Hitzebeständigkeit? PTFE ist einfach teuer und das Zeugs liegt hier nur rum. Soweit ich weiß setzt man doch PTFE wegen des besseren Isoliervermögens/ der Durchschlagfestigkeit ein. Wie sieht es da mit Silikon aus? Vielen Dank für die Mühe schon im Vorraus.

    72 de Jan


    DL-QRG-AG #GM / AGCW #3669 / NAQCC #6404 / SKCC #10113 / DARC D15


    :thumbsup: War's kein Erfolg, war's eine Erfahrung :thumbsup:

  • Soweit ich weiß setzt man doch PTFE wegen des besseren Isoliervermögens/ der Durchschlagfestigkeit ein. Wie sieht es da mit Silikon aus?

    Moin Jan,


    leider gibt es "das" Silikon nicht. Insofern ist die Aussage nicht einfach, weil je nach verwendeten Füllstoffen (ohne ist das Material mechanisch nicht fest genug) usw. die Eigenschaften sehr stark variieren können. Das, was wir als "Silikon" kennen, also Polydimethylsiloxane, kann alles mögliche sein (inklusiver diverser Implantate...). Für Anwendungen in der Elektrotechnik ist das Material aber auf jeden Fall wärmebeständig und bildet im Brandfall eine isolierende Asche, kann also nach dem Abkühlen notfallmäßig weiterverwendet werden. Aber so weit wirst Du es ja nicht kommen lassen. Grundsätzlich sind diese Elastomere für die Elektrotechnik aber ebenso durchschlagfest wie PTFE. Um die Eingnung für HF zu testen, einfach mal ein Stück der Isolierung in die Mikrowelle stecken. Wird es nicht warm, sollte es gehen.


    73 de Heiko, DL2VER

  • Hallo,


    leider habe ich wohl meine Frage nicht vollständig gestellt. Es ging mir darum das Zeugs zum Wickeln von Baluns u.ä. zu verwenden, also dort wo vermutlich die guten (teuren) elektrischen Eigenschaften von PTFE gefragt sind, ggf. mit Abstrichen. Wenn ich das richtig verstehe sind das in Baluns die höhere Durchschlagfestigkeit und vielleicht noch die besseren dielektrischen Eigenschaften(?) aber das ist jetzt nur geraten.

    72 de Jan


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  • Hi @All,


    Mikrowellentest war erfolgreich und mit Sicherheit isoliert das Ding besser als Kupferlackdraht.


    0,75 mm², was kann man dem zumuten? Mein Friedrich sagt, 0,75mm² einaderig darf mit max 16A abgesichert werden.


    16A@50Ohm ist eine Menge Watt, 12.800W wenn ich mich nicht verrechnet habe. Das bei 800V, das schafft die Isolierung in jedem Fall. Anders sieht es aus wenn ich den Balun transformieren lassen. Bei 3kOhm kommen da schon fast 6,4kV raus. Aber wer will schon 12,8 kW machen. Und schon gar nicht hier im Forum.


    Rechnerisch würde bei 1kW und im schlimmsten Fall 5kOhm Antenne (lamda/2) 2,2kV auftreten, würde das das Kabel schaffen?

    Ich habe das Gefühl ich übersehe da noch was, mal vom Ringkern und dem magnetischen Fluss abgesehen oder ist das mit dem PTFE wirklich schon alles?


    Ok, das AWG18, das ich hier habe ist in etwa vom Leiter-Querschnitt mit der 0,75 mm² Silikongummiadlerleitung vergleichbar (AWG18 ist ~0,8mm²). Mit Isolierung sind das 1,74 mm Durchmesser beim AWG18, bei meiner Silikonschlauchleitung sind es 2,2mm. Wenn es also eng ist, ist mein Silikonzeugs keine Wahl, bei meinen letzten Projekten hätte ich allerdings genügend Platz gehabt. Da ich hier mehr als 20m davon habe, kann ich sicher meinen ganzen OV damit versorgen, deshalb wäre schon interessant.


    Hat Klingeldraht das Problem, das die Isolierung nicht HF-fest ist? Bis 100W sollten doch sonst Klingeldraht auch gehen.


    Falls jemand mal mit dem Zeug experimentieren will, gebe ich gern ein paar Meter ab, wenn die Ergebnisse hier veröffentlicht werden.


    BTW das Zeug war auch in der DDR schweineteuer.

    72 de Jan


    DL-QRG-AG #GM / AGCW #3669 / NAQCC #6404 / SKCC #10113 / DARC D15


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  • Nachtrag:


    Habe mal die Isolierung von Klingeldraht und von einem 1,5mm² Hausinstallationskabel in die Mikrowelle gelegt. Beide wurden wirklich warm, jedenfalls nicht wärmer als das Glas in dem sie lagen. Was macht das PTFE aus? Spannungsfestigkeit? Diektrizitätskonstante?

    72 de Jan


    DL-QRG-AG #GM / AGCW #3669 / NAQCC #6404 / SKCC #10113 / DARC D15


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  • Die Dielektrizitätsverluste / siehe Verlustwinkel... allein die Durchschlagsfestigkeit ist es nicht....

    Btw.: es wird an der Bratzeit liegen. Als Gummiadler wurden regulär Grillhähnchen bezeichnet, die zu lange auf dem Spieß waren... :whistling::D

    73, Jochen

  • Hallo Jochen,


    danke lbr Jochen für Deine Antwort. Aus Deiner Antwort schließe ich, das ich alles zusammen mal länger in die Mikrowelle legen sollte? Wüste nicht, wie ich das sonst noch beurteilen/testen könnte.

    72 de Jan


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  • Hallo Jan,


    was das PTFE ausmacht ist, dass es bin hin zu hohen Frequenzen niedrige dielektrische Verluste hat. PVC zum Beispiel ist da deutlich schlechter.

    Ganz schlecht ist z.B. Pertinax (kommt für Drähte eh nicht in Frage), weil dieses zusätzlich noch Wasser zieht und dadurch zusätzliche Verluste hat.

    Aber auch z.B. manche Polyester werden mit der Zeit "schlechter", weil die Verluste durch Hydrolyse über die Jahre ansteigen.

    Silikone haben gegenüber PTFE in der Regel einen Nachteil: Den Preis.

    Zum Thema der Absicherung: Das gilt für normalen Wechselstrom, also 50 Hz. Da spielt der Skineffekt bei so dünnen Leitern noch keine große Rolle.

    Es wird also der ganze Querschnitt ausgenutzt. Das ist bei HF nicht der Fall.

    Dafür wird bei Baluns/Übertragern zwischen Ein- und Ausgang nicht 50 Ohm im Sinne einer Erwärmung wirksam. Die ensteht durch Verluste, u.a.

    - Ohmscher Widerstand des Leitermaterials

    - Magnetisierungsverluste des Kerns usw.


    73 de Heiko, DL2VER

  • Hallo Jan,

    wg. Gummiadler: ich scherzte !

    Ansonsten würde ich das mit der Silikonisolation sein lassen. Da ist etwa bei 180°C schluß, das kann PTFE besser. Verlustwinkel ist auch besser.

    Aber wir machen ja qrp. :)

    beste 73! Jochen