Morse-Übungsgenerator mit Mikroprozessor

  • Hallo Leute,


    ich möchte Euch mal von einem Projekt schreiben, mit dem ich noch nicht weit gekommen bin: Ich möchte einen richtig guten Morse-Übungsoszillator bauen. Vorweg: Fast alle von Euch haben das Morsen wahrscheinlich mit einem suboptimalen Tongenerator gelernt. Das geht auch, und vielleicht sogar besser als mit dem Gerät, das mir vorschwebt.


    Ideen:

    • reiner Sinuston
    • Frequenz mit Jumper (wie im Computer) einstellbar auf
      570 Hz, 660 Hz und 750 Hz
    • klickfrei mit einer sigmoiden Funktion (mehr dazu später)
    • Versorgung 9 V Blockbatterie, externe Versorgung max. 13.8 V


    Das ganze möchte ich mit einem Mikroprozessor umsetzen. Mit einem Tiefpassfilter aus einem Op-Amp und einem LM-386 oder ähnlichem als Verstärker. Wenn die Verstärker etwas Rauschen generieren, ist das OK.


    Welchen Mikroprozessor würdet Ihr nehmen? Ich hatte mir mal angesehen, wie PICs arbeiten, aber ich glaube, die meisten hier nehmen Atmels,
    oder?


    Achtung: Trollgefahr! Ich werde mich über sachliche Empfehlungen freuen, aber bitte keinen Glaubenskrieg starten.


    73 Daniel DM3DA

  • Hallo,


    ich finde es lustig, wie man für alles heutzutage Mikroprozessoren oder gar ganze Controller verwenden will. Die drei Töne könnte man auch mit drei Oszillatoren erzeugen. Das hat den Vorteil, das andere die Schaltung nachbauen können, ohne sich vorher ein Programmiergerät basteln zu müssen. Drei NE555 können das genauso gut, wie ein µC. Die haben meistens auch mehr Power als die Controller, womit ein OpAmp überflüssig werden würde. Ich selbst mag Die kleinen Käfer sehr, aber auch ich frage mich gerne, ob das nicht auch ohne zu lösen ist. Ich sehe mich als Jugendlicher - und das bitte nicht falsch aufgreifen - in 10 Jahren in einer Welt, in der man einen Mikroprozessor mit Betriebssystem und eigener IP Adresse benötigt, um ein Relais zu schalten.


    Falls du doch einen µC einsetzen willst: Für deine Anwendung ist es eigentlich egal, ob du einen von Microchip oder einen von Atmel nimmst. Das können eigentlich beide gut. Beide kannst du in Assembler und C programmieren. der Vorteil von den Atmel CPUs: Viele lassen sich auch in Bascom programmieren, einem an Basic angelehnten Dialekt, der einfacher als C ist und eigentlich genauso mächtig. Wenn man schnell etwas für einen Atmel Prozessor schreiben möchte und noch keine Erfahrung in Programmiersprachen hat, dem lege ich Bascom ans Herz. Viele Programmierer sagen allerdings auch, das es keine Programmiersprache, sondern eine Krücke ist. Da haben sie aber auch recht, denn Bascom funktioniert nur in der Bascom IDE und auch nur für Atmel Prozessoren und da auch nur für die absolut gängigsten. Aber Bascom ist in meinen Augen auch nur dazu da, um das Grundschema des Programmieren zu verstehen. Ein Freund von mir findet sich in Assembler und C absolut nicht zurecht, deswegen hat er auf mein Anraten hin mit Bascom angefangen. Er meinte, die Sprache ist leichter und verständlicher als alle anderen Sprachen für die µC. Ein schöner Einstieg!


    Die PIC Prozessoren haben eine größere Vielfalt an verschiedenen Varianten als Atmels AT Serie. Auch können PIC Prozessoren AFAIK nur in Assembler und C programmiert werden. Allerdings weiß man bei Assembler auf dem PIC dann auch, das jeder Befehl genau einen Taktzyklus zur Ausführung benötigt (Ausnahmen sind Sprungbefehle und einige andere). Mehr kann ich dir darüber nicht sagen, da ich mit den PICs erst anfange. Mir gefallen eigentlich beide gut.


    Ein zusätzlicher Rauschgenerator sollte vielleicht integriert werden. Dann kann man gleich "Bandbedingungen" simulieren.

  • Hallo Jan,


    Du hast recht, natürlich lassen sich mit analogen Oszillatoren gute Übungsgeneratoren bauen. Aber ich bin davon überzeugt, dass ein Microprozessor das noch besser kann. Als ich Morsen gelernt habe, hatte ich einen Übungsgenerator mit einer T-Schaltung gebaut. Der hatte sehr stark geklickt. Dummerweise hatte ich mir angewöhnt, auf die Klicks zu achten und nicht so sehr auf den Ton zu hören. Als ich dann den ersten Übungskontakt auf 144 MHz hatte, habe ich nichts mitbekommen. Keine Klicks.


    Also brauchte ich einen anderen Übungsgenerator. Den hatte von einem Freund einen Morse-Tongenerator geschenkt bekommen. Innen war ein NE555-Chip und machte einen schönen rauhen Ton aus einem Rechtecksignal mit allen geraden Obertönen. Als ich dann funken wollte, war das Signal nur auf einer Frequenz: 660 Hz. Und mir fehlten die hohen Töne.


    Aktuell habe ich einen Tongenerator mit einer Wienbrücke um einen Op-Verstärker. Der Ton klingt super und ist völlig sauber. Aber ich kann ihn nicht richtig schalten: Je nach Aufbau ist der Ton nicht völlig weg, wenn die Morsetaste nicht gedrückt wird, oder der Generator heult am Ende eines Tons (Chirp).


    Um es auf einen Punkt zu bringen: Ich möchte einen Übungsgenerator bauen, der die Tonqualität 9 hat. Nicht 598C oder K (RST Beschreibung bei Ludwig DK5KE). Ein Rauschgenerator wird nicht nötig sein.


    73 Daniel DM3DA

  • Hallo Daniel,


    hmm... - wenn ich das richtig verstehe, möchtest du einen Morseübungsgenerator haben, dessen Sound möglichst nahe an der Realität am Empfänger ist. Warum baust du ihn dann nicht auch so auf?


    Zwei HF-Generatoren in NF-Abstand auf einen Mischer - oder nimm z.B. einen Schaltungsauszug für den Mithörton im Mosquita - und schon hast du den typischen Empfängersound. Durch spielen an den oszillatoren kannst du dann alles erzeugen: vom Tastclick bis zum weich einsetzenden Ton.


    Ein Moseübungsgenerator auf Rechnerbasis ist wie ein RX mit totaler DSP - man hört nicht mehr, was wirklich da ist.


    Überleg mal ?(

    72/73
    Con


    DM5AA - DOK V11 - JO64SC
    DL-QRP-AG#297 - G-QRP#7939 - AGCW#1957 - RU-QRP#345
    BCRspezial - MosquitaTurm - SKY-SDR - viele Baustellen

  • Hallo OM's,


    ich bevorzuge die MSP-controller, da es dafür eine kostenlose Entwicklungsumgebung (IAR) bis 4kbyte code gibt,
    die debuggen in Echtzeit erlaubt, was vor allem für Leute, die C+ nicht bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben,
    eine wirkliche Hilfe ist.
    Dem µC kann man sicher auch beliebig saubere Sinustöne beibringen, etwa mit einer Tabelle, die periodisch abgefragt wird
    und einem rudimentären Widerstandsnetzwerk als DA-Wandler - wenn man schnell genug abtastet,
    reicht ein einfacher RC-Tiefpass als anti-aliasing Filter.
    Eine Fensterfunktion, die ein weiches Tastsignal generiert ist ebenfalls kein Problem, wenn man die Sinuswerte anschliessend
    mit den entsprechenden, ebenfalls in einer Tabelle abgelegten, Hüllkurvenwerten multipliziert,
    an dieser Stelle punktet der MSP mit einem Hardware-multiplier.


    So hat man alle Freiheiten, vieles davon wird man allerdings nicht wirklich hören können und läuft außerdem in Gefahr,
    mit einem Signal zu üben, das viel 'schöner' ist, als vieles was man auf dem Band hört !?


    Analoge Lösungen hat OM CON ja bereits angedeutet, wenn man sowieso in die µC Programmierung einsteigen möchte,
    kann man an diesem Projekt sicher 'ne Menge lernen.


    72/3


    Peter/DL3PB

  • Hallo Daniel,


    wenn es den eine Controllerlösung werden soll, warum den mit so gigantischer Betriebsspannung?
    Würde da eher zu 2..3 Mignons raten. Gibt eine deutliche Vereinfachung und viel mehr an Laufzeit als die paar mA/h eines 9V Blocks und Du mußt auch nicht extra die Spannung für den Controller anpassen. Für die NF gibt es sehr schöne Verstärker die in diesem Spannungsbereich ausreichend Leistung bringen und sich bei Bedarf sogar vom Controller in der Lautstärke regeln und schlafen schicken lassen.
    Für die Tonerzeugung lassen sich sicher auch codeschnipsel finden. Egal ob Du das über einen R2R DA Wandler oder eine Pulsweitenmodulation realisieren willst. Unter Ausnutzung der Sleepfunktion des Controllers könntest Du zur Not auch auf den Ausschalter verzichten und einen Festspannungsregler brauchst Du eh nicht.


    72 de Alois

    "Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos
    ausgegeben. Den Rest habe ich verprasst." - George Best

  • Hallo Leute,


    danke für die Hinweise. Die waren sehr hilfreich. Ich glaube, ich werde mich erst einmal auf einen AT Tiny 13 mit Pulsweitenmodulation konzentrieren. Das scheint ganz gut zu gehen (Beispiel 11 in Teil 8 von DG4FAC). Vielleicht kann ich dann sogar den Op-Amp-Tiefpass weglassen.


    Einen bezahlbaren ISP (Wikipedia: In-System-Programmier) habe ich bei myavr.de gefunden.


    ALOIS Die Idee mit den 3 Mignonzellen finde ich gut. Welche Verstärker meinst Du?


    73 Daniel DM3DA

  • Hallo,


    so schön es sein mag, einen sauberen Sinuston zu haben, so hat es gezeigt, dass ein Morsen lernen mit leicht (!) verzerrtem Ton konzentrierter funktioniert. Durch die Oberwellen oder auch leicht verzerrten Töne bleibt die Konzentration stärker erhalten. Dabei darf das allerdings nicht so scheppern, dass es grausam klingt.


    Ich kann die Quelle nicht so schnell finden, aber als ich 2001 über den Morsekurs bei uns in H23 recherhierte, wurde ich darauf aufmerksam gemacht. Ein Sinuston (also ohne Oberwellen, dazu mit derselben Tonhöhe) ermüdet schneller als ein Ton mit leichten Oberwellen.


    Ein Beispiel: Unser Weltmeister Fabian, DJ1YFK wurde wegen seiner Leistungen mit RufzXP gefragt, mit welchen Einstellungen er dort seine hohen Tempi hört. Folgende Einstellungen nannte er: Ton: Sägezahn. Einblenden: 0,1ms. Ausblenden: 0,4 ms. Abhängig auch von den verwendeten Kopfhöreren. Er hat das auch begründet.


    Und, in der Tat, ich habe es mal ausprobiert. Ich höre bei RufzXP nicht mehr mit einem Sinuston. Wenn ich mir alte Filme über professionellen Küstenfunk anhöre, so wurde dort u.a. mit der sog. tönenden Telegrafie gearbeitet.


    Link aus einem Archiv, wo noch mehr Beispiele liegen: http://www.pust-norden.de/DAN-Audio/DAN-DDD.wav


    Ein "markiges" Signal ist einprägsamer. Ich plädiere demnach für die Einstellmöglichkeiten wie bei RufzXP. 8)

    73 Michael, DF2OK
    Früher wurden Funkgeräte zum Funken mit Antennen verbunden, heute mit Computern. Finde den Fehler...
    ~ DARC ~ G-QRP-Club ~ DL-QRP-AG ~ AGCW ~ FISTS ~ QRPARCI ~ SKCC ~

  • Hallo Michael,


    dass die Oberwellen helfen, habe ich auch schon erlebt (mit dem NE555-Chip, siehe oben). Wenn ich mich richtig erinnere, hat einer der DL-QRP-AG/QPRproject-Transceiver extra einen "angerauhten" Mithörton. Das will was heißen! Aber ich möchte erst einmal das Sinussignal hinbekommen.


    73 Daniel DM3DA

    Daniel DM3DA, Düsseldorf JO31jf, DOK R01 +++ Morse-Hörspiele auf http://dm3da.tuxomania.net

    Edited once, last by DM3DA: Es scheint nicht einfach zu sein, ein Sägezahnsignal mit PWM zu generieren. ().