VibrationsMorsen+TENS

  • Hallo,


    ich habe das grad mal ausprobiert, die Drehbewegung lässt sich wirklich durch Kurzschließen (simuliert mit einem kleinen transistor und einem NE555) ziemlich schnell abstoppen. Ich habe das jetzt nicht nachgemessen, aber die Nachlaufzeit verkürzt sich subjektiv praktisch gegen Null.


    Wenn gewünscht kann ich da nochmal genauer nachmessen (hab nur noch nicht wirklich ne Ahnung wie...)

  • Wie ich gerade im Internet lese, waren schon mal zwei Amerikaner als
    Telegrafisten mit diesem Thema befaßt (bei Tests oder ähnlichem). Mein
    Englisch ist allerdings so schlecht, daß ich mit den beiden OM nicht
    korrespondieren kann.


    Auszug aus der betr. Internetpage:


    http://www.temples.com/mod.php…page&menu=3200&page_id=21


    -------------------------- begin auszug
    -----------------------------------------------------
    Phil's mastery of Morse code made him the ideal test subject in a
    graduate school study and thesis. "An MIT researcher was conducting
    expermentation to see how well simple binary codes might be applied in
    a tactile fashion to aid persons who were both blind and deaf. "I and
    another expert test subject —Joe Parskey, NJ1P, copied morse code by
    'feel'. We'd stick our hand inside of a box with a telegraph-type
    device that moved up and down. Our ears were blocked with stoppers and
    we were blindfolded to deprive us of visual or audible cues."


    Joe and Phil became quite proficient at the mode. They both eventually
    tested at 20+ words per minute—far below their 40-50 wpm audible
    abilities, however.
    -------------------------- end auszug
    ---------------------------------------------------------


    piep piep

  • Ich habe mir die erwaehnte Arbeit mal angesehen. Tan und seine Gruppe haben drei Telegrafie-Arten miteinander verglichen:


    1) Mechanisches Lesen. Dazu wurde ein Finger auf eine Taste gelegt, und die Taste senkte sich bei einem Signal ab (also CW-Ton an = Taste ging runter, Ton aus = Taste wieder hoch. Keine Vibration!).


    Das ganze ist eine umgekehrte Morsetaste. Ja, ich weiss, dass niemand beim Geben einfach nur den Finger auf die Taste drueckt. Das heisst, niemand ausser dem AK Amateufunk und Telekomunikation in der Schule. http://www.aatis.de/Laemp_rechts.gif


    (Achtung Troll! Haette ich so nicht schreiben sollen. Tut mir leid. Bitte alle Kommentare zum AATIS Logo als Private Nachricht an mich! Aber mich bei dem Thema zurueckzuhalten faellt mir zu schwer: nur weil es ein paar Leute witzig fanden, wird da ein ganz falsches Bild vom Amateurfunk gemacht. Und zwar in den Schulen! Ich habe den Chef der AK mal angerufen, aber da war nix zu machen. Also zurueck zum Thema).


    Das Mechanische Lesen ist also etwa so wie Lehrer Hempel in dem grauenhaften AATIS Logo. Der Tastenhub liess sich zwischen 5 und 15 mm einstellen. Ausserdem konnte verstellt werden, ob bei einem Signal die Taste hoch oder herunter ging.


    2) Vibrationsmorsen. Ein Vibrator lief auf 200 Hz wahrend des Signals (also des CW Tons). Das Geraet war ein Alpha-M AV-6 Minishaker. Alles, was ich bisher ueber Alpha-M gefunden habe, ist diese Kleinanzeige: " For sale Alpha-M Corporation in Dallas, TX, manufacturer of small electrodynamic shaker systems and related hardware. Owner Bill Crowley is considering retiring. Call Bill at
    972/406-0424 or FAX him at 972/247-0651." Vielleicht sollten wir Bill oder Prof Tan mal kontaktieren.


    3) klassisches Audiomorsen. Allerdings auf 200 Hz (!), vielleicht um es besser mit dem Vibrationsmorsen vergleichen zu koennen.


    Es gab 4 Versuchspersonen, 2 waren richtig gute CW Hams (40-50 wpm), 2 Kontrollpersonen waren Anfaenger.


    Das Ergebnis: Audio ist viel besser als Mechanisches oder Vibrationsmorsen. Vibrationsmorsen ist etwas besser als Mechanisches Morsen. Dabei ist besser = schneller. In Zahlen: Audio 40 wpm (Words pro Minute), Vibrationsmorsen 21 wpm und Mechanisches Morsen 18 wpm.


    In der Diskussion schreibt Tan, dass Mechanisches und Vibrationsmorsen vielleicht nicht schneller als ungefaehr 21 wpm zu machen ist, weil die Haut die Reize anscheinend nicht schnell genug wahrnehmen kann (S. 118, erster Absatz). Er schreibt auch, dass andere Kommunikationsmethoden ("natural methods of tactile communication") deutlich schneller sind. Der Geschwindigkeitsfaktor ist fast 3x fuer "fingerspelling" und bis zu 5x fuer Tadoma und "tactual sign language".


    Das ist dann etwa so schnell wie Sprechen. In einer halben Minute lasst sich 31 mal "Paris" sagen, laut und deutlich, auf Deutsch und in normalem Sprechtempo. Das sind ungefaehr 62 wpm. Ich glaube, dass "Paris" nicht das ideale Wort fuer diesen Test ist, aber es gibt einen Anhaltspunkt.


    Damit sind die "natural methods" etwa so schnell wie Sprechen, waehrend Mechanisches oder Vibrationsmorsen 3x langsamer ist. Audiomorsen auf den HF Baendern uebrigens auch: 21 wpm ist durchaus eine normale Geschwindigkeit, oder?


    Ich glaube aber, dass Gerd recht hat, und es sich fuer Taubblinde lohnen wuerde, es mit dem Morsen zu versuchen. Immerhin haben sie sofort Anschluss an die Welt des Amateurfunks, und es gibt einfache Geraete, die Text in Morse uebersetzen koennen. Was macht es, wenn es etwas langsamer ist?


    Zum Thema Vibrationsmorsen moechte ich noch darauf hinweisen, dass es moeglicherweise gefaehrlich sein koennte. Es gibt fuerchterliche Berufskrankheiten, die von Vibrationen herruehren. http://en.wikipedia.org/wiki/White_finger


    Vielleicht ist die Mechanische Variante angenehmer oder sicherer?


    73 Daniel M0ERA

  • Noch ein Nachtrag: vom Vibrationsmorsen mit einem Schuettler zum Funken ist kein grosser Schritt mehr. Ob die 200 Hz vom Vibrator kommen oder vom Empfaenger macht vielleicht keinen grossen Unterschied. Tan erwaehnt Funkamateure mit Hoerproblemen, die die Hand auf ihren Lautsprecher gelegt haben, um Morse zu empfangen. Vielleicht lassen sich ja Lautsprecher modifizieren, so dass sie nicht mehr laut sind, aber dafuer spuerbar vibrieren?


    73 Daniel M0ERA

  • Quote

    Original von M0ERA
    Noch ein Nachtrag: vom Vibrationsmorsen mit einem Schuettler zum Funken ist kein grosser Schritt mehr. Ob die 200 Hz vom Vibrator kommen oder vom Empfaenger macht vielleicht keinen grossen Unterschied. Tan erwaehnt Funkamateure mit Hoerproblemen, die die Hand auf ihren Lautsprecher gelegt haben, um Morse zu empfangen. Vielleicht lassen sich ja Lautsprecher modifizieren, so dass sie nicht mehr laut sind, aber dafuer spuerbar vibrieren?


    73 Daniel M0ERA


    Hallo, Daniel!


    Blinde haben ein bekanntlich ungeheuer feines Gespür in den Fingerspitzen. Ob sich allerdings ein Lautsprecher wirklich zum Flüsterer machen läßt, ist eine echte Herausforderung an die Feinmechaniker. Man müsste mal in der Praxis ausprobieren, bis zu welcher Mindest-Membran-Amplitude ein "durchschnittlicher" Blinder damit noch etwas anfangen kann.


    Ein anderer Vorschlag:


    Nicht vibrieren lassen, sondern einfach mit einem Elektromagneten - gleichstrommäßig! - die relative Lage der Membran verändern. Dann würden Nachbarn nur noch eine Art Knacken im Rythmus der Morsezeichen hören; ist vielleicht weniger nervend.


    73
    Hans/DJ4AZ

  • Hallo Hans,


    darum ging es auch Prof Tan. Lautsprecher (oder etwas anders)= Vibrationsmorsen, Gleichstrom = Mechanisches Lesen. Vibrationsmorsen ist etwas schneller (aber vielleicht weniger angenehm?).


    Es geht nicht nur darum, wie es am besten geht, sondern was sich mit dem Geraet dann anfangen laesst. Fuer die Kommunikation zwischen Taubblinden ist Morsen uninterssant. Lormen ist _viel_schneller. Aber es ist eben die Kommunikation mit nicht-Lormern, die Morsen interessant machen koennte.


    Was mir an der Idee des Vibrationsmorsens gefaellt ist, dass damit taubblinde OPs richtig funken koennen. Weil die Vibration _und_ das Signal aus dem Aether kommt. Einfach einen Geradeaus-Empfaenger auf 200 Hz oberhalb der rufenden Station stellen, und das Morse-Signal fuehlen. Einziger benoetigter Filter ist ein 300 Hz Tiefpass. Das geht mit einem Rockmite -- wenn Du das Signal entsprechend verstaerkst und den Lautsprecher modifizieren kannst.


    Ich denke, dazu sind drei Punkte wichtig: der Lautsprecher muss 200 Hz moegen (also ein Bass), er muss recht hohe Amplitude aufweisen, etwa einige mm, und er sollte moeglichst leise sein. Eine technische Herausforderung, da das gegen die normalen Vorgaben fuer Lautsprecherdesign geht. Vielleicht ein Piezo-Kristall? Oder ein Li-Polymer-Akku?


    73, Daniel M0ERA

  • Hallo Leute,


    ich habe Prof Tan mal angeschrieben. Hier seine Antwort (er ist auch Funkamateur :)


    Date: Thu, 19 Apr 2007 11:54:59 -0400
    From: Hong Tan <hongtan@...edu>
    To: <daniel@...net>
    Subject: Your letter


    Dear Daniel,


    Many thanks for your note on motional and vibrotactile transmission of morse
    code. I would definitely recommend the vibration mode for your friend
    because it is *a lot* faster than the motional mode, and that it is a lot
    easier to implement.


    To start with, hooking up a speaker to the morse code transmitter may be the
    easiest thing to try. If you need something better suited to the
    sensitivity of the human skin, then you can use a tactor (vibrotactile
    stimulator) specifically developed for hearing aids. We use the VBW32 by
    Audiological Engineering Corp: http://www.tactaid.com/skinstimulator.html
    You will need an amp to provide enough current for the tactor (an audio amp
    usually suffices).


    Let me know how it goes and whether you need further assistance for your
    friend,
    Hong Tan
    N1RHQ

  • Hallo Gerd,


    der Webseite zufolge ist das VBW32 genau das, was wir gesucht haben. Uebertraegt alles zwischen 100 und 800 Hz in Vibration, mit optimaler Uebertragung auf 250 Hz.
    Es waere doch interessant, das Ding mal an einen Transceiver anzuschliessen, um zu sehen, ob Du Vibrationsmorsen kannst.


    Viele Gruesse, Daniel

  • Lbr Daniel,


    vielen Dank für alle Einspielungen/ Übertragungen. Ich habe alles "studiert".


    Genau, der VBW32 ist das Gerät, was in Frage kommt. Ich bin schon am überlegen, wie/wo ich es bestellen kann. Ich habe keine Pay-Karte, deswegen ist es schwierig. Es werden Adressen in Belgien und in England angegeben - das käme wohl in Frage. Wie denkst Du darüber?


    Eine Frage habe ich noch: An einer Stelle wird erwähnt, daß man das NF-Signal vorher noch verstärken muß, oder habe ich das falsch verstanden?


    piep piep

  • Hallo Gerd,


    Hong schreibt, dass der Transducer einiges an Brumm braucht. Hier die Daten von der Webseite:


    Coil resistance-------------32 ohms [Impedanz, vermutlich]
    Frequency-------------------250 Hz nominal peak---usable output (at reduced levels) 100 Hz to 800 Hz
    Amplitude range-------------sensory threshold to 50dB above threshold
    Transient response----------5 milliseconds (attack and decay)
    Power consumption--------- 200 milliwatts typical at 100% duty cycle
    Nominal voltage drive-------2.5 volts rms


    Also sollte jeder Kopfhoererausgang oder Lautsprecheranschluss funktionieren, der 2.5 V ueber 32 Ohm liefern kann.


    Lass es mich wissen, wenn Du beim Kauf Hilfe brauchst (z. B. ueber die britische Niederlassung). Mein Morse ist leider so schlecht, dass ich mit dem Transducer (noch) nichts anfangen kann. Aber wenn es funktionert, stell ich mir das klasse vor: die Ohren frei, kein Laerm, Rauschen, nix, und trotzdem ein QSO! Das einzige, was man dann noch hoeren kann, ist das Knistern des Sankt-Elms-Feuers an der Antenne. SciFi pur :)


    Viele Gruesse, Daniel

  • Hallo Gerd,


    Bei einem Zahnbuerstenvibrator oder einem Handy-Vib ist die Frage, wie der Audioton den Gleichstrom erzeugt. Natuerlich waeren eine Diode und ein Kondensator ausreichend, aber vielleicht haette es praktische Vorteile, das NF Signal mit einem Verstaerker in Klasse C zu verstaerken... Dann wuerden fuer jede positive Halbschwingung des Sinustons ein Puls produziert. Die Pulse in Reihe koennten den Zahnbuerstenmotor antreiben.


    Viele Gruesse, Daniel M0ERA

  • Könnte man nicht, da man den Audio-Ton eh nicht benötigt, die Gleichspannung schon vorher "erzeugen"? Im Prinzip wird doch an irgendeiner Stelle ein Signal im Empfänger durchgetastet und je höher die Frequenz dieses signals um so "sauberer" ist die Gleichspannung hinzukriegen (vor allem in Hinsicht auf die korrekte Länge der Impulse). Den Motor mit NF-Halbwellen anzusteuern halte ich für keine gute Idee, das wird vermutlich einen Haufen Störungen verursachen, die dann wieder aufwendig abgeblockt werden müssen (die kleinen Motörchen sind ja Bürstenmotoren).


    Mir ist da noch eine Idee mit einem Stapel Piezo-Kristallen gekommen, aber das müsste ich erstmal testen, ob die Amplitude der Bewegung groß genug ist, um sie sicher zu erspüren. So ein Teil könnte man z.B. direkt auf die Taste kleben ;)

  • Hallo Stefan,


    Piezokistalle koennten eine super Loesung des Problems sein. Es waere klasse, wenn Du das mal ausprobieren und uns davon berichten koenntest.


    Viele Gruesse, Daniel

  • Ich koennte mir das gut vorstellen. Vielleicht laesst sich das Signal besonders gut spueren, wenn Du die Kristalle zwischen Daumen und Zeigefinger haelst?


    73 Daniel

  • Ja, so etwas in der Art habe ich mir gedacht. Ich werde mal ausprobieren, in welcher Konfiguration die Schwingungen gut spürbar sind.


    BTW: gibt es eigentlich eine Art CW-Squelch, der verhindert, dass das Rauschen im Zweifelsfall auf das Vibrationselement kommt, also nur die CW-Signale durchlässt?

  • Das mit dem Squelch ist ein guter Punkt. Denn der Tastsinn wird vermutlich nicht in der Lage sein, verschiedene Frequenzen von einander zu unterscheiden. Vielleicht wird es auf sehr schmale Filter hinauslaufen. Oder AGC aus und mit der Lautstaerke regulieren.


    Squelch ist im Prinzip kein Problem. Ich habe mal an einem Icom IC-751A gesessen, dessen Squelch eingeschaltet war. In SSB. Ich hatte eine Weile gebraucht, um herauszufinden, dass der Transceiver nicht defekt war.


    73 Daniel M0ERA

  • Ich habe das jetzt grad mal ausprobiert, man kann vom Tastsinn her so gut wie keine Frequenzen auseinanderhalten (es sei denn, der Unterschied ist sehr groß, 5Hz und 50Hz kann man unterscheiden). Ein Squelch wird also notwendig sein, sonst geht das CW-Signal im Rauschen unter. Besser wäre natürlich eine "intelligente" aktive Signalaufbereitung. Hat jemand eine Idee dazu?


    EDIT: Was mir noch dazu einfällt, das Gehör kann viel feinere Abstufungen der Amplitude eines Signals wahrnehmen als der Tastsinn, vielleicht müsste man auch noch das Spektrum der Amplitude in einem bestimmten Bereich spreizen.

  • Falls nicht bereits der normale squelch in Verbindung mit feinfuehlig eingestelter HF-Regelung Erfolg bringt: Eine Einrichtung wie z.Bsp. <son of zerobeat> laesst eine LED - ausschlieszlich durch die Morsezeichen getriggert - leuchten...