Eingangschaltungen von Kondensatormikrofonen

  • Moin Joerg,


    ich habe dazu mal einen neuen Thread aufgemacht, um das Thema Headset nicht zu sehr zu verwässern.

    Was passiert im FTDX10, wenn man die Warnung in Deiner Anleitung nicht beherzigt und Mikrofonmasse auf Geraetemasse legt? Ein gepfefferter Knall? Magischer Rauch?

    das ist eine gute Frage, ich weiß das gar nicht, habe ich übernommen aus diversen Beschreibungen, die ich gelesen habe, die sich allesamt nicht auf den FTDX10 bezogen. Auf Grund Deiner Frage habe ich mir mal das Service Manual vom FTDX10 vorgenommen.



    Ich war bei den ganzen Beschreibungen zu Kondensatormikrofonen davon ausgegangen, das Mic Ground ein anderes Potential hat, als die Gerätemasse. Wie man hier sieht, anscheinend nicht. Nur was soll C2789, wenn der durch R2831 überbrückt wird?

    Oder ist der vielleicht gar nicht bestückt? Warum führt man dann MIC_GND und GND nicht nur bis zur Mikrofonbuchse, sondern auch intern über die Leiterplatten und Steckverbinder getrennt? :/



    Einen Kurzschluss auf Gleichspannungsebene kann ich mir durch den 10k und den 470nF nicht vorstellen. Einzig einen erhöhten Stromfluß durch das Kondensatormikrofon, was aber der 10k Widerstand sicher verhindert.


    Vielleicht haben andere Transceiver auch eine ganz andere Eingangsstufe?


    Kann mal jemand das Licht anmachen?


    73, Tom

  • qrpforum.de/index.php?attachment/24454/

    Moin Tom,


    der Link funktioniert leider nicht...

    73 Michael, DF2OK.

    ~ Das größte Elend gibt es doch nur, weil die Leute, denen es eigentlich gut geht, nicht mit dem zufrieden sein können, was sie haben. ~


  • Die Masse aller Eingänge meiner TRSV haben ein anderes Potential als die Geräte Masse.

    Die im Eingang verbauten Null Ohm Widerstände sind u.a. Drosseln und dienen dem Schutz der Eingangsschaltung. Das wurde mir so vermittelt.


    Dieter DL2LE

  • Da passiert gar nichts mit Ausnahme, dass das Mikrofonsignal mehr Rauschen und andere Geräusche bringen kann und ev. etwas mehr empfindlich auf RFI ist. Der Ground vom Mikrofon soll nur das Mikrofonsignal übertragen. Das ist bei fast allen Funkgeräten identisch gemacht.


    73, Peter - HB9PJT

  • Der Ground vom Mikrofon soll nur das Mikrofonsignal übertragen. Das ist bei fast allen Funkgeräten identisch gemacht.

    Ebenso in guter Unterhaltungselektronik. Vermindert Brumm- und sonstige Störungen, die auf einer gemeinsamen Masse auftreten können.

    73 Michael, DF2OK.

    ~ Das größte Elend gibt es doch nur, weil die Leute, denen es eigentlich gut geht, nicht mit dem zufrieden sein können, was sie haben. ~


  • Augenscheinlich wird über den R2831 besagter C kurzgeschlossen.

    So sieht es, gleichstrommässig betrachtet, aus. Gleichwohl wird der Kondensator sinnvoll sein. Auf dem Schaltplan sind die Wege kurz gezeichnet. Wechselspannungstechnisch können auf der Platine durch den gedrängten Aufbau sich bei längeren Wegen auf der Mikro-GND-Seite schon Störungen aufbauen. Bzw. von außen eingebracht werden. Wir sinnvoll sein, das so zu machen. Wird ja sonst zu teuer, wenn man nutzlose Bauteile in Geräte einbaut. :)

    73 Michael, DF2OK.

    ~ Das größte Elend gibt es doch nur, weil die Leute, denen es eigentlich gut geht, nicht mit dem zufrieden sein können, was sie haben. ~


  • Moin,

    Ebenso in guter Unterhaltungselektronik. Vermindert Brumm- und sonstige Störungen, die auf einer gemeinsamen Masse auftreten können.

    gute Unterhaltungselektronik verwendet eher 48V Phantomspeisung für die Mikrofone, mit XLR Verbindern. Steht hier auch auf dem Tisch, deswegen will ich auch keinen XLR für Stromversorgung, wie in einem anderen Thread mal erwähnt. Dafür bin ich zu schusselig ;)

    So sieht es, gleichstrommässig betrachtet, aus. Gleichwohl wird der Kondensator sinnvoll sein. Auf dem Schaltplan sind die Wege kurz gezeichnet. Wechselspannungstechnisch können auf der Platine durch den gedrängten Aufbau sich bei längeren Wegen auf der Mikro-GND-Seite schon Störungen aufbauen. Bzw. von außen eingebracht werden. Wir sinnvoll sein, das so zu machen. Wird ja sonst zu teuer, wenn man nutzlose Bauteile in Geräte einbaut. :)

    Könnte eine Erklärung sein, denn die Mic-Leitungen kommen von der RJ45 Buchse auf der Display-Leiterplatte und gehen dann über Steckverbinder auf das Mainboard.


    0 Ohm Widerstände werden auch für Prüf- und Testzwecke eingebaut, die lassen sich schneller entfernen und wieder einsetzen, als eine Leiterbahn durchkratzt ist, vor allem bei Multi-Layerplatinen. 8)


    73, Tom


    73, Tom

  • es ist sogar umgekehrt, die beiden Bauteile liegen nur wenige Millimeter auseinander.

    Moin Dirk,


    tscha... Was will uns der Entwickler damit sagen... :/

    73 Michael, DF2OK.

    ~ Das größte Elend gibt es doch nur, weil die Leute, denen es eigentlich gut geht, nicht mit dem zufrieden sein können, was sie haben. ~


  • gute Unterhaltungselektronik

    Tom,


    das, was Du schreibst (sym. Speisung, Phantom, XLR), wäre für meine Begriffe mehr im professionellen Bereich anzusiedeln als das, was Otto-Normalverbraucher beim Höker von nebenan so kauft... Wobei auch gute Geräte der Lustelektronik getrennte Massen führen.

    73 Michael, DF2OK.

    ~ Das größte Elend gibt es doch nur, weil die Leute, denen es eigentlich gut geht, nicht mit dem zufrieden sein können, was sie haben. ~


  • Wird ja sonst zu teuer, wenn man nutzlose Bauteile in Geräte einbaut. :)

    So ein Widerstand kostet in Industrie-üblichen Stückzahlen praktisch nichts. Es werden aber häufig Bauteile eingeplant, die später weggelassen oder im Wert geändert werden können. Bei bereits vorhandenen Lötpads kann man z.B. statt eines Widerstands einen Ferrit bestücken, o.ä. -> Eine Leiterplatte, mehrere mögliche Bestückungsvarianten, je nach Bedarf. Warum etwas so oder so geplant oder bestückt wird wissen nur die Entwickler.


    73

    Marcus

  • Marcus,

    Es werden aber häufig Bauteile eingeplant, die später weggelassen oder im Wert geändert werden können. Bei bereits vorhandenen Lötpads kann man z.B. statt eines Widerstands einen Ferrit bestücken, o.ä. -> Eine Leiterplatte, mehrere mögliche Bestückungsvarianten, je nach Bedarf. Warum etwas so oder so geplant oder bestückt wird wissen nur die Entwickler.

    danke für Deinen Text, der eine andere Sichtweise beleuchtet. Ja, SMD-Bauteile sind sehr preiswert. Und Nachentwickeln kostet weitaus mehr.


    "Damals", also bei den Konsumergeräten mit bedrahteten Bauelementen (70iger Jahre) wurde schon geschaut, ob man bspw. einen Kondensator mit 1 Pfennig Wert einplant bzw. -baut oder nicht. Bei einer Produktion von 1 Mio. Geräten... Dafür gabs zur Nachrüstung zwecks Entstörung von TV-Geräten auf Anforderung meist eine Tüte Teile plus Anleitung für sehr wenig Geld zu haben. Das war bei den vergleichsweise sehr geringen Störfällen kostengünstiger, als sie gleich einzubauen.


    Aber wie gesagt, alte Zeiten.

    73 Michael, DF2OK.

    ~ Das größte Elend gibt es doch nur, weil die Leute, denen es eigentlich gut geht, nicht mit dem zufrieden sein können, was sie haben. ~


  • So kommt es vielleicht, wenn der Layouter nicht versteht, dass die Platzierung des Kondensators kritisch ist und dann keine Kontrolle gemacht wird, ob das Layout HF-mässig korrekt ist.


    73, Peter - HB9PJT

    Hallo Michael,



    es ist sogar umgekehrt, die beiden Bauteile liegen nur wenige Millimeter auseinander.

  • Nur was soll C2789, wenn der durch R2831 überbrückt wird?

    Tom, das ist vielleicht eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme fuer Murata :)

    Der Ground vom Mikrofon soll nur das Mikrofonsignal übertragen. Das ist bei fast allen Funkgeräten identisch gemacht.

    Peter, bei meinem IC-7100 liegt Mic-GND direkt auf Geraetemasse. Beim JST-100 sowie den ganzen Altgeraeten auch. HF-Einstrahlungen hatte ich noch nie, wobei ich aber meist CW benutze.


    Nach meiner jahrzehntelangen Erfahrung als Ingenieur im Analogbereich bringen Trennungen von Massen fast immer Aerger und ich tat das nie. Die haeufigsten Probleme, die ich damit bei anderen Designs sah, waren Durchfaelle bei der EMV Pruefung.


    73, Joerg

  • Hallo Joerg, das ist richtig beim IC-7100. Aber die Mikrofonmasse ist separat geführt im Kabel und hat die Masseverbindung direkt beim Mikrofonvorverstärker. Das ist der übliche Weg. Bei manchen Geräten gibt es aber zusätzlich noch Induktivitäten oder Kapazitäten. Beim IC-7100 sehe ich direkt bei der Mikrofonbuchse die Bezeichnungen "EP???" für jeden Leiter. Das scheinen auch Induktivitäten zu sein.

    Man sieht da auch die 0-Ohm Widerstände zur Masse für beide Ground-Verbindungen vom Mikrofonanschluss. Ich gehe davon aus, dass diese als Sicherungen dienen. Falls beim Stromanschluss der Minus nicht angeschlossen ist, soll nicht 20 Ampere über die Mikrofonbuchse und die dünnen Leiterbahnen zur Mikrofonbuchse fliessen.


    Ich habe noch Informationen zur Induktivität bei der Mikrofonbuchse die Bezeichnungen "EP???" hinzugefügt.

    https://product.tdk.com/en/system/files?file=dam/doc/product/emc/emc/beads/catalog/beads_commercial_signal_mmz1005_en.pdf


    73, Peter - HB9PJT

  • Peter, so ein "Short" ist gewoehnlich ein Stueck Leiterbahn, sonst haetten sie einen Widerstand mit 0R eingezeichnet, zumal er auf der Stueckliste auftauchen muss. Das oder auch Zero_Ohms Jumper oeffnen normalerweise nicht, bevor die Kabelader oder die Leiterbahn beschaedigt sind.


    Das ist eine Strategie, die ich von Kunden kenne. Wenn ich denen vorschlug, zwecks Beseitigung von EMV Problemen und anderen Malessen die Trennung der Ground Planes zu beseitigen, kam oft viel Widerstand und Einspruch. Am Ende machten sie es zaehneknirschend, aber mit "Angst-Jumpers". Diese kann man selbst nach dem Layout noch vom Platinenhersteller mit einem Gerber Editor loeschen lassen. Sind immer dringeblieben :)


    Die Ferritperlen sind MMZ1005B601C von TDK, kleine 0402 mit 600ohm bei 100MHz, also nichts dolles. Das haelt VHF/UHF Stoerungen heraus, wenn man wie die meisten nebenbei ein FM Geraet betriebt und vielleicht eine Endstufe dahinter hat. Wenn man so eine Ferritperle auch in der Erd-Rueckfuehrung vorsieht, wirkt das wie eine Gleichtaktdrossel. In diesem Fall ist sie jedoch witzlos, da der Schirm ohne Drossel aufgelegt ist. Da hat also jemand zwei Cents verschenkt ...


    73, Joerg

  • Zu EP fällt mir in diesem Zusammenhang nur 'Electrostatic Protection' ein. Im FT-991A ist jedenfalls nichts dergleichen im Schaltplan. Da sind die Leitungen von/zum Mikrofonport nur mit Kondensatoren abgeblockt. Ansonsten zwischen den Bauruppen auch [FB] also Ferrite Beads.
    Das [EP] taucht erst im Schaltplan des FTDx10 auf.
    Keine Info dazu gefunden. Da bleibt wohl nur, den Ablauf der Garantie abzuwarten und das Gerät dann mal zu öffnen und einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Ansonsten: Funktioniert's? Ja! Dann => no worries.