Erklärung gesucht

  • Hallo allseits,


    das Schaltbild zeigt die Keyer-Eingangsschaltung eines QRP Transceivers mit SMD Bauteilen.

    Das Gerät arbeitet an einer Doublet Antenne anstandslos.

    An einer 45m LW mit vorgeschaltetem UNUN jedoch zerstörte offenbar HF die Drossel L 54.

    Welche Erklärung gibt es für die Existenz und Daseinsberechtigung von L 54 ?


    73 Dieter


  • Moin,


    wenn der Rest des TRX noch ok ist, erklärt sich die Daseinsberechtigung eines frequenzabhängigen Widerstandes. Hat wohl nur den Strom nicht abgekonnt, aber seine Aufgabe erfüllt.


    Kleiner Nachtrag: Aus reiner Neugierde, was ist das für ein TRX? Die haben ja mal richtig Aufwand mit der Eingangsbeschaltung betrieben, so wie es sein sollte. Drosseln, Widerstände, Suppressordioden und Keramik-C. Faszinierend, würde da Spock sagen, findet man nicht so häufig.


    73, Tom

    Ich bin dann mal weg ...

  • Der Außenleiter hat "Kloppe" bekommen. Über die Antenne oder über die heimische Versorgung?

    Evtl. habe die Suppressoren den Ground hochgezogen und der hat das nicht abgekonnt.

    Unisono mit Tom: was für ein Gerät?

  • Dieter, die drei Drosseln haben den gleichen Wert und sind wohl als "Gleichtaktdrossel des armen Mannes" gedacht, also nicht wie sonst ueblich alle auf einem Kern. Einer der Gruende ist, dass einem dann bei Antennen mit schlechten Gegengewicht nicht so viel HF auf den Fingerspitzen britzelt. Denn bei manchen Paddles wie meinen kann man an die Schrauben kommen. 1uH bringt natuerlich nicht viel, da das sicher kein 70cm TRX ist. Man braucht 1mH oder mehr und dann alle drei Verbindungen bifilar auf einem Kern, damit es klein bleibt. Das gibt es als ISDN-Drossel und fuer alle moeglichen anderen Zwecke. Viele haben vier Wicklungen, wo man dann eine nicht benutzt.


    Ein anderer vermutlicher Fehler, den ich im Job immer wieder sehe, aber hier muesste ich den Rest des Schaltbildes sehen: KEYER_DSH und KEYER_DOT fuehren wahrscheinlich direkt auf MCU Pins. Dann bringen die D36 und D37 kaum etwas, denn dann fliesst ein zu hoher Anteil eines ESD-Schusses in die ESD-Dioden auf dem MCU Chip und kann ihn zerstoeren. Wanderschuhe mit PVC Sohlen, angepackt, tzzt..PIFF, das uebliche. Da sollte man nochmal je einige hundert Ohm zu den MCU Pins in Serie haben. Oder wenigstens R129 und R130 auf die linke Seite verlegen.


    Tom, Jochen, das letzte Zeichen in der Typenbezeichnung von J1 deutet auf China :)


    73, Joerg

  • Hallo,


    sehe ich ähnlich wie Jörg, normalerweise würde man L52-L54 trifilar auf einen geeigneten Kern wickeln. Generell finde ich die gesamte Schaltung wenig sinnvoll. 1 uH sind bei 3.5 MHz gerade mal 20 Ohm. Dann kann ichs auch weglassen. Genauso wenig sinnvoll finde ich 1nF parallel zu einer Diode, die selber schon 350 pF Kapazität hat. Ich würde hier Photo-MOS Schalter verwenden. Damit ist der IC (Keyer-Dash/Dot) absolut sicher. 2 Vorwiderstände für die LEDs und 2 C's 10nF nach GND sollten ausreichen für sauberen Betrieb.


    73

    Markus

  • Zunächst danke ich euch allen für die Beiträge.


    Es handelt sich um den Xiegu G90, der mir als reiner CW OP trotz des Vorfalls nach wie vor viel Freude bereitet.


    L54 habe ich längst mit 10 uH erneuert (laut Xiegu) und beiden Eingängen zusätzlich ein 100 nF Keramik-C zur HF Abblockung verpasst.


    Des weiteren hab ich die Tastleitung jetzt durch einen Klappferrit gewickelt und eine Mantelwellensperre zwischen TRX und UNUN gesetzt.


    Beide Maßnahmen hätten den Vorfall vermutlich schon verhindert, wenn ich vorher an die Gefahr gedacht hätte.


    Die Schaltung war auch für andere OP z.T. befremdlich und auch ich überlegte zu Anfang L54 zu brücken.


    Frohe Ostern


    Dieter DL2LE


  • Ich habe schon gesehen, dass solche Spulen durchgebrannt sind, wenn der Keyer und der TRX extern mit demselben Minus bzw. Ground verbunden waren und der Minusanschluss zum TRX Wackelkontakt hatte oder als letztes Kabel angeschlossen wurde bei eingeschaltetem TRX. Denn wenn der Minusanschluss zum TRX unterbrochen ist, dann fliesst der gesamte Strom zum TRX durch diese kleine SMD Drossel und überlastet diese.


    Beim Betrieb einer endgespeisten Antenne wäre wohl der Rückfluss der HF eher über den Minusanschluss zum TRX geflossen als über den Keyer und diese Drossel welche etwas hochohmiger ist. Daher denke ich, die Spule ist nicht wegen der HF durchgebrannt.


    73, Peter - HB9PJT

  • Wenn die externe Sensortaste nicht mit Batterie sondern mit dem Netzteil betrieben wird, trifft die Diagnose von Peter den Nagel auf den Kopf.

    Auch ein Potentialunterschied der Masse von Funkgerät und Keyer können das Problem sein, ist aber in dieser Konfiguration wohl nicht der Fall.


    Das kann dann immer wieder passieren, ich würde L54 brücken oder den Sensorkeyer mit einem separaten Steckernetzteil oder Batterie betreiben.


    73 de Frank

    DD2NU

  • Als mir das zum ersten mal passierte, suchte ich anhaltend aber vergeblich nach einer Erklärung.


    Man führte mögliche Zerstörung durch HF ins Spiel, aber daran wollte ich nicht recht so glauben.


    Erst nachdem mir das das zweite mal passierte, wurde mir der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Antennen bewusst und ich folgte der HF Theorie.


    Auch die Winzigkeit des Bauteils trug zu der Annahme bei.


    Nun kommt durch Peter und Frank eine neue, interessante Betrachtung ins Spiel, mit der ich mich als Leihe nun befassen werde und lernen muss zu verstehen.


    Als Lösung werde ich Frank's nachvollziehbare Empfehlung folgen und bedanke mich für eure Mithilfe herzlich.


    Dieter DL2LE

  • Moin,


    das ist ein sehr interessanter Aspekt! Viele Keyer haben für die Ansteuerung des TRX einen Optokoppler am Ausgang.


    Vielleicht auch eine Möglichkeit, um das zukünfig zu verhindern.


    73, Tom

    Ich bin dann mal weg ...

  • Würde auch sagen: man muß die Gegebenheit kennen. HF möglich, aber große Pegel erforderlich. Wahrscheinlicher eine Erdschleife, von irgendwoher eine Spannung auf Keyermasse gekommen, unbemerkt, weil nur wenig Rauch im TRX

  • In der Tat, ein Optokoppler bietet eine weiter Möglichkeit zur Lösung.


    Drei Lösungen im Osternest, was will man mehr....


    Allen Teilnehmer gilt mein Dank.


    73 Dieter

  • Ich greife das Thema aus aktuellem Anlass noch einmal auf.


    Als Grund der Zerstörung von Drossel L54 ergaben sich zwei Theorien. HF oder die von Peter und Frank beschriebene Möglichkeit.


    Für beide Fälle habe ich inzwischen vorgesorgt, wobei die eingangs gestellte Frage nach der Funktion dieser Drossel noch unbeantwortet blieb.


    Nun habe ich mir den Schaltplan des TS 480 und TS 590 angesehen und stelle fest, dass an gleicher Stelle am TS480 ein 0 Ohm SMD Widerstand und am TS590 eine 100n Drossel verbaut ist, also ähnlich.


    Durch Zufall erfuhr ich heute im Telefonat mit meinem Freund, dass dieser 0 Ohm Widerstand bei seinem TS480 vor einiger Zeit auch ersetzt werden musste.

    Als Taste wurde ein Bug genannt und als Antenne ein mob. Strahler am Balkon.


    Der Fall scheint theoretisch interessant zu bleiben. Mit der Optokoppler-Methode hat man wohl beide Fälle abgesichert, hoffe ich wenigstens.


    73 Dieter DL2LE