Sie sind nicht angemeldet.

1

Dienstag, 20. Februar 2018, 09:57

Zugelötete Löcher frei pulen

Jedem passiert es, dass er mal ein bedrahtetes Bauteil auslöten muss. Ich zum Beispiel darf heute oder morgen das Display eines KX3 auslöten, das immerhin allein auf einer Seite 60 Beine hat. Geht es auch nur bei einem Bein schief, ist das komplette Controllboard im Eimer, ein neues kostet ein paar hundert US-Dollar, Meist der Ausbau kein Problem, da die Zeiten des Recycelns von Bauteilen ja heute nicht mehr besonders sinnvoll ist werden die Bauteile sinnvoll "bergmännisch" herausgeschnitten, die Beinchen lassen sich dann prima einzeln mit einer spitzen Zange und heißem Lötkolben extrahieren. Aber die Löcher, die Lötaugen, die nerven weiter. Hartnäckig weigern sich einige von ihnen das Zinn, mit dem sie verstopft sind frei zu geben, bleibt innerhalb der Durchkontaktierung ein Häutchen zurück, das es unmöglich macht, einen Draht oder ein Bauteilbein durch zu stecken.



Nicht unbedingt ein spezifisches Micro-Solf Thema, der ist ja zum größten Teil "lochfrei" aber aus gegebenem Anlass doch auch hier in der Micro-Solf Bastelgruppe ein paar zusammengefasste Tipps aus fast 50 Jahren Pulerei :D



1. Je kräftiger der Lötkolben, um so einfacher bekommt man das Loch frei. Mit 30 Watt wird es ein fast unmögliches Geschäft, mit 50W ist es schwierig, mit 80W geht es ganz gut, wenn die Wärmeübertragung auf die Spitze gut funktioniert. Hat man zum Aufbau eine Bleistiftspitze benutzt, so ist es sinnvoll für das freimachen nun eine breite meißelförmige Spitze zu nehmen.


2. Die Lötspitze muss sauber und gut verzinnt sein. Versuche es erst gar nicht, wenn die Spitze verzundert ist.


3. Nicht jede Entlötlitze, die man kaufen kann ist gut, es gibt reichlich Schrott auf dem Markt. Eine schlechte Entlötlitze erkennt man daran, dass sie die gleiche Farbe hat wie frisch abisolierter Kupferdraht, also diese typische dunkle Kupferfarbe. Gute Entlötlitze ist eher rosafarben mit samtiger Oberfläche. Die rosa Färbung ist die Farbe von Elektrolytkupfer, der samtige Eindruck wird durch das in fester Form aufgebrachte Flussmittel hervorgerufen.


4. Mit Entlötlitze darf man nicht geizig sein. Hat man ein Stück benutzt, wird nicht nur nun mit Zinn vollgesogene Teil abgeschnitten sondern ein ganzes Stück darüber hinaus. Wenn man bewusst hin sieht, erkennt man deutlich den Bereich, in dem das Flussmittel verbraucht ist und dieser Bereich geht deutlich über den Teil, der Zinn aufgenommen hat hinaus.


5. Wähle auf jeden Fall eine höhere Temperatur als du zum Löten benutzt, da es beim Entlöten auf einen möglichst schnellen Wärmeübergang ankommt. Das Zinn muss in die Litze, bevor das Flussmittel aufgebraucht ist. Ich arbeite zum Entlöten locker bei 450 Grad.


6. Hat es nicht geklappt, ist noch Zinn im Lötauge hilf fast immer ein Trick, der erst mal widersinnig klingt: Nimm frisches Lötzinn, möglichst mit dünnerem Durchmesser als die Durchkontaktierung des Lötauges. Fülle das Lötauge mit frischem Zinn auf. Passt der fluxhaltige Zinndraht in die Durchkontaktierung (und sei es auch nur eine Mulde, die frei ist) schiebe den Zinndraht unbedingt so tief es geht. Tipp nun mit dem Lötkolben an die Berührungsstelle Zinn/Lötauge bis das Zinn verläuft. Versuche diesen Vorgang so kurz wie möglich zu halten. Je kürzer um so besser! Starte nun den nächsten Versuch mit frischer, nicht zu geizig beschnittener Entlötlitze.


Mit dieser Methode habe ich bisher (fast) jedes Lötauge frei bekommen. Der großzügige, fast verschwenderische Verbrauch der Entlötlitze hat mich am Anfang auch etwas geärgert, ist aber im Vergleich zum Preis einer neuen Leiterplatte geschenkt.

Die Entlötlitze, die ich benutze bekomme ich, wen wunderts, natürlich von Nick
(es ist ja einigermaßen blöd, eine einzelne Rolle Entlötlitze zu bestellen, aber vielleicht erinnert sich der ein oder andere daran, dass Nick ein ziemlich großes Bauteilelager hat. Im Prinzip kann man so ziemlich jedes Bauteil, das in seinen Bausätzen vorkommt auch bei ihm kaufen. Es sind nicht unbedingt alle Bauteile im Shop aufgeführt, aber eine E-Mail zur Anfrage kostet nichts :thumbsup: )


Zum Schluss noch ein Hardcore Trick. Ich wende ihn nur im äußersten Notfall an, was vielleicht einmal im Jahr vorkommt, weil ich dazu einen zweiten Löter brauche: Eine Edelstahl Injektionsnadel mit passendem Durchmesser und stumpfer Spitze. Der Partner heizt das Lötauge auf während ich vorsichtig die Injektionsnadel durch das Lötauge schiebe. Edelstahl nimmt kein Lötzinn an.



73/2 de Peter, DL2FI
Proud member of Second Class Operators Club SOC and Flying Pig Zapper #OOO (Certificated Kit Destroyer)

  • »DJ4JZ« ist männlich

Beiträge: 777

Hobbys: Antennen QRP Meßgeräte Selbstbau, Solf #023, Mikrocontroller Programmierung

  • Nachricht senden

2

Dienstag, 20. Februar 2018, 10:34

Zur Ergänzung,
wer keine Injektionsnadel zur Hand kann auch eine Stecknadel aus dem Nähkästchen nehmen. Am besten die mit dem Plastikkopf. Die klappen bei mir sehr gut.
vy73 Jürgen

Zurzeit ist neben Ihnen 1 Benutzer in diesem Thema unterwegs:

1 Besucher