Morsetelegrafie wird immaterielles Kulturerbe

  • Hier wird die Morsetelegrafie viel zu sehr für den Funk vereinnahmt - das kam viel später. Das Kulturerbe Morsetelegrafie ist viel älter als der Funk und war leitungsgebunden. Man musste auch nicht hören können, sonder lesen - auf Papierstreifen.

    73
    Günter

    "For every complex problem there is an answer that is clear, simple, and wrong" (H.L. Mencken)

  • Hallo Hajo,

    Du sagst: "Zur Zeit der Löschfunkensender wußte man doch noch gar nicht so richtig, was "Frequenz" überhaupt ist. Man war froh, daß das überhaupt funktionierte mit der Morsetechnik. "

    Das mit der Frequenz stimmt so nicht. Der Herr Lecher
    hat schon 1889 eine Anordnung zur exakten Messung der
    Frequenz und Wellenlänge elektrischer Wellen erfunden.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Lecher

    73 Bodo/DL2FCN

  • Lbr Bodo,

    OK, danke für den Hinweis auf dieses Datum. Aber in dem Text von Lecher steht auch, daß die Wellen von einem Funkengenerator erzeugt worden sind! Etwas anderes gab es ja damals noch nicht. Die Funkengeneratoren können aber keine definierte Frequenz erzeugen, sondern generieren ein breites Band von Frequenzen. Sicher hat er wohl mit dem "Maximum dieser Aussendung" eine Wellenlänge nachweisen können. Eine Frequenz- oder Wellenlängenmessung konnte daher wenigstens einigermaßen genau erst in der Zeit der Röhrensender erfolgen, selbst wenn es nur ein einstufiger Sender war.

    Noch 1956 habe ich bei Norddeich Radio einmal einen Anruf und ein Telegramm von einem Schiff mit Löschfunkensender aufnehmen müssen, nominal auf 425 kHz. Die Lesbarkeit des Morsesignals war kein Problem. Als aber dort Störungen auftraten (die 425 kHz wurde auch von einem anderen Schiff im Nordseeraum genutzt), konnte ich problemlos den Empfänger weiter drehen und eine "freie Stelle" suchen; schließlich blieb ich auf 444 kHz, der Sendefrequenz von Norddeich Radio, die stand halt mir allein zur Verfügung und war eben frei zum Hören. Bei diesem Frequenzwechsel konnte ich aber noch nicht feststellen, daß die Stärke des Löschfunkensignals überhaupt abgenommen hätte, das muß wenigstens +/-100 kHz breit gewesen sein. Und der gesamte Frequenzbereich für die Küsten- und Seefunkmittelwelle (ohne Funkbaken) betrug damals kaum mehr als 100 kHz. Unter diesen Bedingungen war eine störungsfreie Frequenzplanung mehrerer Funkstellen im Hörbereich schlichtweg nicht möglich. Das ging erst, nachdem die Sender wenigstens Röhren-VFOs hatten, wenn auch oft mit Chirp.

    Unter diesen Voraussetzungen muß man halt in der Frühzeit der Funktelegrafie die Begriffe "Frequenz" und "Wellenlänge" sehen; das wollte ich mit meinem vorigen Beitrag ausdrücken.

    Noch kurz zur Morsetelegrafie auf Leitungen: Das ist richtig und hatte zudem den Effekt, daß der erste internationale Vertrag über die Fernmeldetechnik und die Gründung der ITU eher zustande kam als der Weltpostverein!

    Ha-Jo, DJ1ZB

  • Hier wird die Morsetelegrafie viel zu sehr für den Funk vereinnahmt - das kam viel später. Das Kulturerbe Morsetelegrafie ist viel älter als der Funk und war leitungsgebunden. Man musste auch nicht hören können, sonder lesen - auf Papierstreifen.

    73
    Günter

    Im Jahre 1860 waren bei der Löbau-Zittauer Eisenbahn Morseapperate im Einsatz
    (Quelle: Der Schienenstrang durch das südöstliche oberlausitzer Hügelland, Autor Herbert Bauer)

    73 Wolfgang

  • Aus Wikipedia:"

    Nachdem Samuel Morse 1833 den ersten brauchbaren elektromagnetischen Schreibtelegrafen gebaut hatte, fand der erste Testbetrieb 1837 statt. Der verwendete Code umfasste damals nur die zehn Ziffern; die übertragenen Zahlen mussten mit Hilfe einer Tabelle in Buchstaben und Wörter übersetzt werden.

    Alfred Lewis Vail, ein Mitarbeiter Morses, entwickelte ab 1838 den ersten Code, der auch Buchstaben umfasste. Er bestand aus Zeichen von drei verschiedenen Längen und unterschiedlich langen Pausen. Dieser Code wurde ab 1844 betrieblich eingesetzt (als Morse Landline Code oder American Morse Code bei amerikanischen Eisenbahnen und den Telegrafenunternehmen bis in die 1960er Jahre).

    Die unterschiedlich langen Pausen stellten eine Unzulänglichkeit des Codes dar, so dass Friedrich Clemens Gerke ihn 1848 zur Inbetriebnahme der elektromagnetischen Telegrafenverbindung zwischen Hamburg und Cuxhaven umschrieb. Dieser Code wurde nach einigen weiteren kleinen Änderungen 1865 auf dem Internationalen Telegraphenkongress in Paris standardisiert und später mit der Einführung der drahtlosen Telegrafie als Internationaler Morsecode von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) genormt.

    1909 wurde erstmals ein Seenotruf über Funk gemorst. Dieses Ereignis führte zur breiten Einführung des Seefunks, nachdem die eher konservativen Reeder die neue Technik zuerst abgelehnt hatten."

    "For every complex problem there is an answer that is clear, simple, and wrong" (H.L. Mencken)

  • Hier wird die Morsetelegrafie viel zu sehr für den Funk vereinnahmt - das kam viel später. Das Kulturerbe Morsetelegrafie ist viel älter als der Funk und war leitungsgebunden. Man musste auch nicht hören können, sonder lesen - auf Papierstreifen.

    Ich hab ja den Verdacht das denen auf den ersten Telegrafenleitungen die Streifenschreiber kaputtgegangen sind und die Telegrafisten die 1-2 Jahre neben den Streifenschreibern gesessen haben und abgetippt haben, gemerkt haben das man die nicht mehr braucht.

    Ähnliches vermute ich bei der Tastung. Irgendwann wird es den Telegrafisten zu aufwändig gewesen sein die stencils in die Schiene zu packen, und dann haben sie halt den Testschalter genommen.

    Wobei ich Historisch da wenig genaue Informationen finde, wie lang das gedauert hat, bis man mit der Hand gegeben hat und vom Sounder gehört hat.

    grüße
    Hans

  • Hallo Hans,

    bereits in den 1840er Jahren konnten viele amerikanische Telegraphisten den Text anhand des Klicken des Streifenschreibers mitlesen. Das hatte nichts mit Defekten zu tun, die Schreiber waren einfach sehr langsam. Ab Ende der 1850er Jahre hat man dann weitesgehend auf Streifenschreiber verzichtet und nur noch mit dem Sounder empfangen. Damit waren höhere Telegraphiegeschwindigkeiten möglich. Es soll OPs gegeben habe, die jenseits der 200BpM mit Klopfer hören konnten. Telegraphisten wurden damals nach der Anzahl der übermittelten Worte bezahlt, also zahlte sich Tempo aus.

    In Deutschland hat es, wie so oft, ziemlich lange gedauert, bis der reine Klopferempfang eingeführt wurde. Dieser war erst ab Mitte/Ende der 1890er erlaubt. Es wurden eine spezielle (leichtere) Morsetaste dafür entwickelt. Das zweite Modell trägt die Bezeichnung M99, was auf 1899 hindeutet.

    Im angehängten Foto siehst du unten die erste Version der Klopfertaste. Die abgebildete Taste wurde laut Stempel 1898 in Betrieb genommen. Darüber ist das Modell M99 abgebildet. Die abgebildete Taste stammt von 1906.

    73

    Karsten - DL3HRT

    Ich hab ja den Verdacht das denen auf den ersten Telegrafenleitungen die Streifenschreiber kaputtgegangen sind und die Telegrafisten die 1-2 Jahre neben den Streifenschreibern gesessen haben und abgetippt haben, gemerkt haben das man die nicht mehr braucht.

    Ähnliches vermute ich bei der Tastung. Irgendwann wird es den Telegrafisten zu aufwändig gewesen sein die stencils in die Schiene zu packen, und dann haben sie halt den Testschalter genommen.

    Wobei ich Historisch da wenig genaue Informationen finde, wie lang das gedauert hat, bis man mit der Hand gegeben hat und vom Sounder gehört hat.

    grüße
    Hans

  • 73, Michael, DF2OK.
    ~ AFU seit 1975 ~ DARC ~ G-QRP-Club ~ DL-QRP-AG GM ~ AGCW ~ FISTS ~ QRPARCI ~ SKCC ~ QRZ.COM ~ YouTube ~
    - Morsecode ~ The ART of communication. (DF2OK) - No computer required, just human skill. QRP-Philosophy: "Power is no substitute for skill."

  • Also seit 2014 ist Morsen immaterielles Kulturerbe in Deutschland... und immer noch nicht immaterielles Weltkulturerbe.

    Das finde ich persönlich Schade.

    Noch zu verbreitet? Nicht wichtig genug? Keine Lobby? ....

    NaJa - vielleicht wird es ja noch was...

    73 Armin

  • Armin, es ist nach längerer Suche nicht herauszubekommen, aus welchen Menschen aktuell das Team besteht, welches sich (noch?) dafür einsetzt. Bei der AGCW gibt es einen Funkamateur und Ansprechpartner. Siehe Website. Von damals kenne ich persönlich Norbert, DJ7ZY. Er war auch zu diesem Thema sehr aktiv. https://seefunknetz.de/ikm_1.htm Findet man bei der AGCW noch eine MailAdresse, so ist beim DARC trotz irgendwo gelesener Unterstützung nur das über die externe ! Suche folgendes zu finden https://www.darc.de/der-club/arbei…-kulturerbe-ik/ 'Faszinierend'.

    Edit: Hier steht, wer zuständig ist/war. Ab 2020 der jeweilige Vorsitzende der AGCW. https://www.qslonline.de/hk/eigen/Kulturerbe%20CW.pdf Stand der Dinge? Keine Ahnung.

    73, Michael, DF2OK.
    ~ AFU seit 1975 ~ DARC ~ G-QRP-Club ~ DL-QRP-AG GM ~ AGCW ~ FISTS ~ QRPARCI ~ SKCC ~ QRZ.COM ~ YouTube ~
    - Morsecode ~ The ART of communication. (DF2OK) - No computer required, just human skill. QRP-Philosophy: "Power is no substitute for skill."

    Edited 4 times, last by DF2OK (September 10, 2026 at 12:13 AM).

  • Moin,

    gelesener Unterstützung nur das über die externe ! Suche folgendes zu finden https://www.darc.de/der-club/arbei…-kulturerbe-ik/ 'Faszinierend'.

    diese leere Seite beim DARC existiert mindestens seit 2021 so - da war noch nie Inhalt.

    Edit: Hier steht, wer zuständig ist/war. Ab 2020 der jeweilige Vorsitzende der AGCW. https://www.qslonline.de/hk/eigen/Kulturerbe%20CW.pdf Stand der Dinge? Keine Ahnung.

    Das ganze Thema wurde doch, soweit ich weiß, nur von ein paar Leuten initiert. In Anbetracht der Demografie würde ich behaupten, das Thema hat sich erledigt, wenn sich nicht eine Gruppe jüngere Menschen findet, um den sicherlich nicht kurzfristigen Prozess zu begleiten. Insofern ist #3 da schon passend - auch hier im Forum schlummerte das Thema 12 Jahre ohne das es jemanden interessiert hat, mich eingeschlossen.

    73, Tom

    PS: PDFEditor Testversion - macht immer wieder einen kompetenten Eindruck ;)