Hallo liebe Funkfreunde,
nach langer Zeit habe ich mal wieder eine Frage, zu der ich eure kompetente Hilfe bräuchte.
In der Vergangenheit habe ich dieses Forum immer durch die hohe Qualität der Antworten und die
freundliche und sachliche Art der Diskussionen im besten HAM-Spirit erlebt (was heute leider immer seltener wird).
So, nun genug der Vorrede:
Meine Frage ist so trivial wie komplex: Warum entsteht auf einem Koaxialkabel eine Mantelwelle?
Es gibt zwar gefühlt zigtausend "Antworten" auf diese Frage, aber wenn man den Dingen einmal wirklich
auf den Grund gehen möchte, sind die meisten Antworten darauf recht unbefriedigend (zumindest für mich).
Häufige Antworten sind ja "durch Unsymmetrien der Antenne" o. ä. und das ist in der Praxis natürlich nicht falsch.
Aber mich interessiert, warum sie dadurch entstehen?
Ich gehe mal von folgenden Sachverhalten aus:
- Ich habe eine HF-Quelle (Sender, 50 Ohm), der für eine feste Frequenz (die Frequenz wird bei der Diskussion nicht geändert) ein Signal abgibt
- Der am Sender abgegebene Strom soll für einen festen Zeitpunkt t z.B. 1 A betragen
- An die Quelle habe ich ein Koaxialkabel (50 Ohm) angeschlossen
- Das andere Ende des Koaxkabels ist an einem symmetrischen Dipol (ideale Symmetrie) angeschlossen.
Soweit der "Messaufbau".
Folgende weitere Annahmen:
- Das Koaxkabel stellt HF-mäßig drei Leiter dar:
- der Innenleiter
- die Innenseite des Schirms
- die Außenseite des Schirms
- Im Idealfall fließt der Strom von der Quelle über den Innenleiter zur Antenne und von dort über die Innenseite des Schirms zur Quelle zurück.
- Dadurch besteht das elektromagnetische Feld im Kabel nur zwischen Innenleiter und Innenseite des Schirms. Keine Abstrahlung nach außen. Soweit so gut.
- Die sogenannten Mantelwellen fließen aber auf der Außenseite des Schirms und sollen möglichst verhindert werden.
- Warum fließen sie da und wo fließen sie hin?
- Am Anfang und am Ende des Koaxkabels sind die Innenseite und Außenseite des Schirms verbunden (Sind sie das HF-mäßig wirklich?).
Die Frage ist jetzt:
- Was bringt einen Strom dazu, über die Außenseite des Schirms zu fließen?
- Warum fließt dieser "Mantelstrom" nicht über die Innenseite des Schirms?
- Und was hat eine fehlende Symmetrie der Antenne damit zu tun?
(Natürlich haben dann beide Dipolhälften unterschiedliche Impedanzen und dadurch unterschiedliche Antennenströme und -spannungen.
Aber der Strom, der aus der Quelle (Sender) "hinaus geht", muss ja auch wieder zurück fließen. Es kann ja kein Strom im "Nichts" enden oder beginnen.)
Wie man sieht, ist es, wenn man die Sache genau betrachtet, nicht so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint.
Vielleicht könnt ihr mir hier weitergeholfen werden!
73! Matthias (DM2MH, DOK X50)