Heißluftlöt- und Entlötstation

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  • Hallo miteinander,

    eine Frage an die Praktiker bezüglich einer Heißluftstation. Ich habe gesehen, dass es bei der Leistung deutliche Unterschiede gibt.
    Ziemlich baugleiche aussehende Geräte habe ich mit etwa 300 W und 600 und mehr W gesehen.

    Wie ist die Erfahrung beim Auslöten von ICs? Ich habe gelegentlich Bauelemente wo es nicht so auf Präzision ankam mit einer klassischen Heißluftpistole ausgelötet. Die hatte 800 W oder mehr Leistung und es hat schon geraume Zeit gedauert, bis das Lot flüssig wurde. Da erscheinen mir die 300 W etwas knapp.

    Was meint Ihr dazu?


    73 Ludwig

  • Moin Ludwig,

    Eine Heissluftpistole ist was grobmotorisch dafuer. Ich habe das frueher auch damit gemacht, aber musste mir immer eine Maske aus Alufolie schneiden und dennoch sind dabei gelegentlich Nachbarbauteile beim Ausloeten weggeflogen. Jetzt mache ich es mit einer LRT 8858:

    https://www.amazon.com/LRT-8858-Desoldering-100-500%E2%84%83-212-932%E2%84%89/dp/B09VZ9HB37

    Meine hat m.W. je nach Betriebsart 100W bis 680W. Die Temperatur ist geregelt und einstellbar, die Luftmenge auch. Die hat mir schon in ekligen Situationen geholfen, salzkorngrosse Bauteile und so. Ich nehme sie auch gern zum Schrumpfschlauchen, weil man prazise dosieren kann und das Dingen auch kleiner ist als eine Heissluftpistole.

    73, Joerg

  • Hallo Ludwig,

    ich habe erst vor einigen Jahren das Thema Heißluft in meine Werkstatt aufgenommen. Bei meiner Entscheidung kam es mehr darauf an, in welchem Temperaturbereich die Heißluftlötstation einsetzbar ist und in welchem Bereich der Luftstrom regelbar ist sowie welche Düsen verfügbar sind. Ich habe u.a. eine JBC und diese hat 700W. Sie erreicht eine Temperatur von 450°C. Damit ist man für alle Eventualitäten gerüstet.

    Das Thema Entlöttechnik spielt aber auch eine wichtige Rolle. Neben Flussmittel kann man auch sogenanntes "Roses Metall" verwenden. Man bringt dieses Lot zusätzlich auf die Anschlussbeinchen und dieses setzt den Schmelzpunkt je nach Legierung bis unter 100°C herunter. Damit kann man recht gut "Vielbeiner" per Heißluft entlöten. Zum Löten gibt es Niedertemperatur Lötpaste/-zinn. Hier liegt der Schmelzpunkt deutlich unter 200°C.

  • Hallo,

    ich habe auch so einen vermutlichen clone von 858D. Schon mehrere Jahre und die hat um die 40 Euro gekostet bei ebay. Ich war erst skeptisch bei der Bestellung für den Preis, aber das Teil arbeitet einwandfrei. Damit gelötet habe ich 0402 und QFN packages. Mache fast nur noch SMD. Luftstrom lässt sich gut regeln ja nach Anforderung. Das ist kein Problem damit. Habe einen Kippschalter nachgerüstet, um den Reedkontakt manuell schalten zu können, wenn man zB die Station ausserhalb des Halters ausschalten möchte. Das Gebläse läuft immer noch eine Zeit nach, vermutlich um die Heizdrähte zu schonen. Wichtig ist vernünftiges Lot/Flussmittel zu nehmen. Die ganz kleinen Teile ohne Flux sind schon nervig manchmal, sonst sehr bequem.

    73 de Max

  • Moin Max,

    Wichtig ist vernünftiges Lot/Flussmittel zu nehmen.

    Es sollte eine No-Clean Sorte sein, denn es ist nach dem Einloeten des Ersatzbauteils so gut wie unmoeglich, Flussmittelreste unter einem IC restlos zu entfernen. Leider scheint Kenwood dies vor zig Jahren nicht immer beruecksichtigt zu haben und das Ergebnis war, dass sich die PLL-Leiterplatte meines TS-2000 langsam auffrass. Am Ende half nur noch ein kompletter Austausch und seit etwa einem halben Jahr ist dieser TRX nicht mehr mitten im QSO ausgestiegen.

    Ich verwende bei Heissluft und oft auch bei normaler Feinleiterloetung das Flussmittel ChipQuik CQ4300LF-1.0 in einer kleinen "Squeeze" Flasche mit Nadelroehrchen.

    Ich entloete mit der billigen LRT 8858 gern, aber zum Einloeten nehme ich meist den Weller Loetkolben. Dazu habe ich zwei Stationen und eine davon ist stets mit einer sehr schmalen ETS-Spitze bestueckt. Loetpaste zum Aufstreichen nehme ich selten, das meiste geht besser mit Kester No-Clean 8806 mit 0.4mm Durchmesser. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu alt fuer Loetpaste :)

    Diese Entloetstationen eignen sich mit der grossen Duese auch gut fuer die Bauteile-Ernte. Wenn hier ein Consumergeraet mit HF-Bauteilen schlapp macht, schlachte ich oft die Leiterplatte heraus und loete dann Bauteile herunter, die ich mal brauchen koennte. Das hat mir schon oft geholfen, wenn ich z.B. einen 3.3nF Kondensator in 0402 brauchte. Auf den muss ich dann nicht zwei Tage warten und er kostet nicht $10 Porto. Dito fuer die kleinen Abschirmblechlein darin.

    Ein weiteres Einsatzgebiet ist in der Mechanik. Eine Ueberwurfmutter am Fahrrad ging nicht herunter, aber mit der passenden Duese konnte ich die so erhitzen, dass nur diese Mutter allein heiss wurde -> ging ab. Mit der fetten Heissluftpistole haette das nicht so einfach funktioniert.

    73, Joerg