Welche Verbesserung durch Wärmeleitpaste

  • Hallo zusammen,

    ich bin gerade auf der Suche im Internet gewesen, um wie viel sich die Wärmeleitung vom Bauteil zum Kühlkörper verbessert, wenn man Wärmeleitpaste verwendet. Allerdings habe ich dazu keine wirklich gute Aussage gefunden. Klar ist, man muss die Wärmeleitpaste richtig auftragen, hier gilt nicht "Viel hilft viel", sondern eher das Gegenteil. Darum geht es aber nicht. Ich stelle mir vor, ich montiere einen Leistungswiderstand auf einen Kühlkörper, belaste diesen Widerstand und messe jetzt, wie warm der Kühlkörper wird. Einmal mit Wärmeleitpaste, einmal ohne. Leider habe ich nicht die Möglichkeit, so einen Versuch mit geeigneten Meßmitteln durchzuführen.

    Daher die Frage in die Runde: Um wie viel Prozent wird der Wärmetransport verbessert, wenn ich eine durchschnittliche Wärmeleitpaste verwende?

    Gruß und schönen Sonntag noch

    Stefan

    Man darf nicht alles glauben, was man denkt! ;)

  • Prozentzahlen oder konkrete Aussagen habe ich noch nie gesehen/gelesen, eher Pauschalwerte aufgrund der Erfahrung. Soweit ich es kenne, besteht der beste Übergang zwischen zwei völlig planen, glatten Oberflächen. Störfaktoren sind:
    Die Oberflächen sind nicht völlig plan (poliert), können kleine Kratzer (= Vertiefungen/Erhebungen) haben, wodurch auch immer.

    Die Oberflächen können sich bei Montage leicht verziehen (wie z.B. die "völlig starren Zylinderköpfe" am Verbrennungsmotor bei falschem Festziehen).

    Es können Staubpartikel eingetragen werden.
    Fazit: Viele Einflußfaktoren, die eine dünne Schicht Wärmeleitpaste reduzieren soll. Es liegt nicht nur an der Paste, es kommt auf die Gesamtheit des Überganges an. Austrocknen soll sie auch nicht. Schwierig, daraus eine allgemeingültige Formel zu machen. Und auf der Consumer-Tube steht meist auch nichts darüber, was das Fabrikat konkret kann, maximal der Temperaturbereich.
    Ansonsten gilt Wärmeleitpaste als relativ schlechter Wärmeleiter, deswegen so dünn wie möglich, aber Lufträume sind halt noch schlechter.

    73 Reiner

  • Moin Stefan,

    die Frage ist aus meiner Sicht in der gestellten Form nicht ohne weiteres und nicht in Prozenten pauschal zu beantworten.

    Hauptaufgabe: Pasten beschleunigen die Wärmeweitergabe dadurch, dass Lufträume zwischen Hitzeerzeuger und der zur Kühlung vorgesehenen Fläche geschlossen werden. Lediglich die Wärmeleitung an sich wird verbessert. Es wird schneller Wärme an den Kühlkörper abgeführt.

    Meine Funfstellen im Internet, Wikipedia:

    Wärmeleitpaste – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org

    Dort findet man unter Wärmeleitfähigkeit Aussagen, die meine ersten Zeilen bestätigen.

    Eine weitere Abhandlung:

    Wärmeleitpaste

    Wichtig für den Wärmehaushalt bei Leistungsbauteilen ist der zügige Abtransport der Wärme durch geeignete Maßnahmen. Ist bspw. ein Kühlkörper für einen PA- oder Netzteiltansistor zu klein, nützt selbst das korrekte Verwenden von Paste nix.

    Gleichwohl gibts Berechnungsmöglichkeiten, wie und womit man je nach Belastung "tödliche" Sperrschichttemperaturen vermeiden kann. Die Verwendung von Paste spielt aus o.g. Gründen eine eher kleine Rolle.

    Es gibt nach Aussagen bei Wikipedia nix genormtes bzw. keine Standards. Die Aussage finden wir im folgenden Dokument ebenfalls wieder.

    Mal einen Blick darauf werfen, wie man einen passenden Kühlkörper berechnet? Mit Berechnungsbeispielen.

    https://www.fischerelektronik.de/fileadmin/fischertemplates/download/Katalog/technischeerlaeuterungen_d.pdf

    Einführung

    Kühlkörper Berechnung – den genauen Wärmewiderstand berechnen

    Oft wird beim Basteln oder einigen Firmen mit kleinen populären TRX etwas Pi × Daumen genommen. Berichte im Forum untermauern meine Gedanken...

    Reiner und ich waren etwa zeitgleich beim Schreiben. Passt aber gut.

    73, Michael, DF2OK.
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    Edited 15 times, last by DF2OK (June 30, 2024 at 5:41 PM).

  • Hallo Reiner und Michael,

    danke für eure Einschätzung. Die Links zu Wiki habe ich natürlich auch gefunden.

    Ich habe eine Seite gefunden, die macht einen Vergleich mit einem PC-Prozessor aus einem Spiele-PC, einmal mit Paste, einmal ohne. Hier wurde bei identischem Set-Up einmal eine Temperatur über die Software von 40-45° gemessen und rund 60°. Das ist bei dem Beispiel viel, fand ich auch noch andere Aussagen, die sich im Bereich von 5 bis 10° bewegten, was halt gefühlt sehr wenig ist, denn 10 Grad mehr hast du ja im Sommer schon mal so in der Bude. Daher kommt mein Gedanken, was das "bringt", die Leitpaste aufzubringen.

    Dass es was bringt, glaube ich schon, es ist aber wieder der Punkt erreicht, irgendwie nicht so richtig greifbar zu sein. Zumindest für mich nicht.

    Vielleicht hat noch jemand eine Antwort.

    Gruß Stefan

    Man darf nicht alles glauben, was man denkt! ;)

  • Stefan,

    Dass es was bringt, glaube ich schon, es ist aber wieder der Punkt erreicht, irgendwie nicht so richtig greifbar zu sein.

    nachvollziehbar. Deine Einstiegsfrage habe ich mir, ehrlich gesagt, so auch noch nicht gestellt. Finde sie gut, wenn ich das mal so schreiben darf. :)

    Ich habe es die Jahrzehnte so gehalten, dass ich im Berufsleben beim Service den Originalzustand "zu Rate" gezogen habe. War da vorher Paste drauf, dann wurde bei der Reparatur die alte entfernt, Flächen gereinigt und sorgsam neue Paste aufgebracht. Glimmerscheiben waren zwei Flächen mehr. Hatte das Bauteil keine Paste, dann habe ich keine aufgebracht. Das galt für die kommerziell produzierten Geräte, Eigenbau gabs da nicht.

    Bei meinen QRP-Projekten daheim war es selten der Fall, dass sie nötig war. In der Regel reichen die Kühlflächen aus, wo der PA-Transistor aufgeschraubt ist. Zur Sicherheit habe ich der DL-QRP-PA bzw. deren Endstufentransistoren im Sierra auch welche verpasst. Netzteile und mehr bekommen beim mir immer Paste. Und einen Kühlkörper, dessen Rippen senkrecht montiert sind. Damit die Luft passend strömen kann. Gibt leider auch anderes im kommerziellen Bereich.

    Beim PC - ich habe dem aktuellen Prozessor nach dem Kauf ein neues leises Kühlsystem verpasst - da war neue Paste mit dabei. Und da würde ich nie ohne arbeiten.

    73, Michael, DF2OK.
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    Edited 2 times, last by DF2OK (June 30, 2024 at 8:40 PM).

  • Hallo Stefan,

    Daher die Frage in die Runde: Um wie viel Prozent wird der Wärmetransport verbessert, wenn ich eine durchschnittliche Wärmeleitpaste verwende?

    den Wert musst Du selbst errechnen, denn er hängt unter anderem

    - von der abzuführenden Verlustleistung,

    - der Umgebungstemperatur,

    - der Sperrschichttemperatur des zu kühlenden Bauelements,

    - dem Wärmewiderstand des Bauelements und

    - dem Wärmewiderstand des Kühlkörpers ab.

    Ein Berechnungsmöglichkeit findest Du zum Beispiel auf meiner Website hier. Wenn Du die abzuführende Verlustleistung als Strom ansiehst, die stets in Reihe liegenden Wärmewiderstände als elektrische Widerstände, sind die sich ergebenden Temperaturen mit Spannungspegeln vergleichbar.

    Dieses Berechnungsformular ist eigentlich dazu gedacht, den Wärmewiderstand des erforderlichen Kühlkörpers zu berechnen. Der Wärmewiderstand Übergang R_GK (Gehäuse - Kühlkörper) ist der Wärmewiderstand der Wärmeleitpaste. Ich nutze den in vielen Datenblättern angegebenen Wert. Wie groß er ist, wenn Du keine Paste verwendest, kann ich Dir nicht verraten. Du kannst den Wärmewiderstand aber zum Beispiel einmal verdoppeln (zu dick aufgetragene Paste) und die Auswirkungen berechnen lassen.

    Die Auswirkung der Wärmeleitpaste zu messen, halte ich für sehr schwierig, denn Du könntest ja nur die Temperatur des Kühlkörpers messen. Wenn sich diese verringert, heißt es ja nur, dass die Verlustwärme nicht abgeführt werden kann und sich das Bauteil stärker erwärmt. Da müsste man schon einen Temperaturfühler im wärmeerzeugenden Bauelement haben, wie es die Leute auf der nicht näher bezeichneten Mikrocontroller-Website gemacht haben.

    Generell ist immer ein Luftspalt vorhanden, wenn man zwei Metalloberflächen aufeinander legt, selbst wenn beide Oberflächen glatt erscheinen. Die Erklärung dafür wurde ja hier schon gegeben.

    73/72 de Ingo DK3RED - Don't forget: the fun is the power!

    Edited 2 times, last by DK3RED (August 17, 2024 at 9:50 AM).

  • Hallo Ingo, hallo Gerd,

    danke für eure Erklärungen und die Links dazu. Dass es nicht trivial ist, dachte ich mir schon, aber dass es hier keinen Pauschalwert gibt, irritiert mich dann schon noch. Aber ich denke, das hat noch nie einer wirklich umgesetzt, weil es eher berechnet werden muss, um Klarheit zu haben, dass es passt.

    Jetzt habe ich erst mal Lesestoff und kann damit arbeiten.

    Danke für eure Mühen!

    Gruß

    Stefan

    Man darf nicht alles glauben, was man denkt! ;)

  • Stefan,

    ich persönlich mach's mir einfach: Ich rechne die Verlustwärme aus, die am Halbleiter ca. entsteht und such mir einen Kühlkörper, mit dem ich möglichst nicht über 40°C komme (Verlustleistung x Wärmewiderstand Kühlkörper). Erster Test ohne Paste, mit Finger am Halbleiter. Falls es unangenehm warm wird kommt Paste drauf.

    Gruß

    Gerd.

  • Hallo Gerd,

    das ist eine logische Vorgehensweise, kein Thema. Ich bin gerade nicht in der Situation, dass ich eine Lösung für eine vorhandene Aufgabe brauche. Es war ein Gedanke, der mir beim Laufen in den Kopf gekommen ist und eine Suche im Internet keine befriedigende Antwort auf meine Frage brachte. Dass es hier so gar keine Pauschalantwort gibt, ist einerseits verständlich, aber auch nicht ganz nachvollziehbar. Daher dachte ich, ich frage mal hier bei den Spezialisten. Es hätte ja sein können, dass sich vielleicht beruflich jemand mit dem Thema beschäftigt hätte. Schade, das ich keine Diplomanden mehr betreue, das wäre ein tolles Thema geworden... 8)

    Gruß Stefan

    Man darf nicht alles glauben, was man denkt! ;)

  • Beim QRP Selbstbautreffen vor kurzen, gab es einen Vortrag für eine PA (afair).

    Da wurde als bestes Ergebnis eine Glimmerscheibe gefunden.

    Mit Paste gibt es nicht so gut. Können natürlich auch Handlingsprobleme gewesen sein, das kann ich nicht beurteilen.

    Ich wollte nur darauf hinweisen, daß manche lieber keine Paste nehmen.

    Am besten, testen. Und dann berichten.

    73, Jens

    Telegrafie - die einzige Digitalbetriebsart die Analog besser ist.