Zum Thema "Stirbt der AFu in Deutschland aus"


Die QRP-Gemeinschaft trauert um QRPeter, DL2FI.
Wir haben einen Freund und Seelenverwandten verloren. Wir wünschen allen Angehörigen viel Kraft und Zuversicht in diesen traurigen Zeiten.
In tiefer Trauer
Die DL-QRP-AG
  • Hallo Jürgen,


    im besagten Dokument findet sich folgende Statistik :


    (Quelle : BNetzA)

    Das mag jeder für sich interpretieren wie er möchte.


    Unser DARC-Vorsitzender schreibt in seinem Editorial CQ-DL 02/2020:


    "Der DARC ist eine starke Gemeinschaft, die es schaffen wird, den Amateurfunk in die digitale Zukunft zu führen - versprochen!"


    Diese digitale Zukunft hat sicher schon vor 35 Jahren angefangen, mit der sog. "Erfindung des SDR" -

    siehe hier : 35 Jahre SDR


    und weiter :


    "Wir werden ein Konzept entwickeln, wie wir die aktuelle Struktur des DARC an die neuen Erfordernisse anpassen".


    Die echte Jubiläumsausgabe der CQ-DL wird dann wohl die September-Ausgabe sein.


    Ich erwarte mit Spannung :


    - strukturelle Konzepte

    - Visionen und Impulse für die Zukunft

    - eine klare Bestandsaufnahme und Definition was Amateurfunk ist und in Zukunft sein soll


    und bitte keine Mitgliederzahlen oder Teilnehmerzahlen bei der HAM-Radio, das hat mit Zukunftskonzepten nichts zu tun.


    Wer hier fleißig mit liest, kann aus unseren Diskussionen sehr viel Inspiration ziehen, sehr gute Punkte

    kamen z.B. bei dem Thread zu dem etwas verunglückten neuesten TV-Beitrag zum Amateurfunk....


    73 !

    Markus

  • Hallo Markus,


    mir ging es da eher um die über 200 mehr zugeteilten Individuallizenzen gegenüber 2010. Also nicht unbedingt um

    die jetzigen 63070 an gesamten Individuals. Weniger ist manchmal ja auch mehr und Interessenten scheint es ja

    durchaus noch zu geben. Von Mitgliederzahlen hab ich im übrigen nix geschrieben ....


    ;);)

  • Ich denke auch, dass der Amateurfunk als Hobby in absehbarer Zeit nicht aussterben wird, fände es aber gut, wenn wir alle versuchen, neue Interessenten für unser schönes Hobby zu finden, denn wenn mehr Menschen über unser Hobby erfahren (auch ohne gleich Lizenz zu machen), würde auch die Akzeptenz von Antennen etc. zunehmen.
    Eine Personengruppe, die meiner Meinung nach bisher viel zu wenig angesprochen wurde, sind Migranten und Flüchtlinge, obwohl es da ein paar interessante Möglichkeiten gäbe:

    1. Gerade in den arabischen Ländern ist der Kurzwellenrundfunk noch recht verbreitet. Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass hier in Deutschland Sender aus ihrer Heimat und in ihrer Muttersprache zu hören sind, könnte ein Anfangsinteresse wecken.

    2. Sportvereine und auch freiwillige Feuerwehr haben es längst erkannt, dass Integration durch ein Hobby oder auch durch ehrenamtliche Tätigkeit einfacher möglich sind und es wirklich eine Win-Win-Situation ist. Wir betreiben ein grenzenloses völkerverbindendes Hobby. Warum nicht auf diese Menschen offen zugehen und für den Amateufunk werben.

    3. Unter den Flüchtlingen befinden sich auch "technik-affine" Personen, die in ihrer Heimat schon gewisse Grundkenntnisse erworben haben. Hier könnte eine Vertiefung z.B. durch einen Lizenzkurs auch dazu beitragen, dass sie neben Deutsch auch andere nachweisbare Kenntnisse erwerben, die ihnen einen Einstieg ins Berufsleben erleichtern.


    Zum "Einstieg" ins Thema gibt es Unterrichtsmaterialien, die in Sprachkursen etc. eingesetzt werden können und auf denen aufbauend man dann auch das Hobby Amateurfunk oder Rundfunkfernempfang vorstellen kann. Als Beispiel im Anhang ein Arbeitspapier von "Deutsch für Ausländer". Ich habe es schon zweimal verwendet und dann auch einen Weltempfänger, paar QSL-Karten und ein kleines Eigenbaugerät mitgebracht. War spannend, weil man da gut ins Gespräch kam über die Bedeutung von Rundfunk heute im Zeitalter von Internet, was Morsen ist etc. Es hat keine Lizenzen generiert, aber die Teilnehmer waren interessiert, auch weil sie so mal hautnah etwas über das Hobby ihres Dozenten erfahren haben. :-)


    War nur mal so ein Denkanstoß, wie wir vielleicht unser Hobby auch in die Öffentlichkeit bringen könnten.


    73/72!

    Peter DL3NAA

    Files

    DL3NAA
    Name: Peter
    QTH: Kehl (JN38VN)
    DOK B14, HSC 1023, VHSC 186
    QRP von 80 Meter bis 10 Meter CW


    Life is too short for QRP!

    Satis longa vita - Das Leben ist lange genug! (Seneca)

  • Moin,


    auf dem Papier mag das ja alles gut aussehen, aber das ist bekanntlich recht geduldig.


    Ich gucke mir die Bänder seit 48 Jahren an und schätze, dass die Aktivität in den klassischen Betriebsarten höchstens noch 25% des früher Erlebten beträgt. Mitgerechnet habe ich allerdings nicht die Leute, die ihren Rechner QSO fahren lassen (FT8) oder Makro-Texte abspulen (PSK31).

  • Moin,

    1. Gerade in den arabischen Ländern ist der Kurzwellenrundfunk noch recht verbreitet. Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass hier in Deutschland Sender aus ihrer Heimat und in ihrer Muttersprache zu hören sind, könnte ein Anfangsinteresse wecken.


    2. Sportvereine und auch freiwillige Feuerwehr haben es längst erkannt, dass Integration durch ein Hobby oder auch durch ehrenamtliche Tätigkeit einfacher möglich sind und es wirklich eine Win-Win-Situation ist. Wir betreiben ein grenzenloses völkerverbindendes Hobby. Warum nicht auf diese Menschen offen zugehen und für den Amateufunk werben.


    3. Unter den Flüchtlingen befinden sich auch "technik-affine" Personen, die in ihrer Heimat schon gewisse Grundkenntnisse erworben haben. Hier könnte eine Vertiefung z.B. durch einen Lizenzkurs auch dazu beitragen, dass sie neben Deutsch auch andere nachweisbare Kenntnisse erwerben, die ihnen einen Einstieg ins Berufsleben erleichtern.


    1. Geht ueber Astra und Hotbird rund um die Uhr mit ausgezeichneter Qualitaet mit Hardware, die sowieso schon vorhanden ist.

    2. Da haben wir eher andere Erfahrungen, denn grenzenlos und voelkerverbindend ist das Internet auch.

    3. Wie gestaltet man einen Lizenzkurs, wenn die Teilnehmer nicht verstehen, was man vortraegt? Henne/Ei? Auf Zeit Online gab es vor kurzem einen sehr umfangreichen Artikel dazu, wie bereits unsere Schulen und die dort taetigen Lehrer mit diesem Problem nicht mehr klar kommen und Klassen mit > 30% Migrationshintergrund im Unterrichtsniveau durch die Sprachbarrieren stark abfallen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich als Hobbydozent den Stoff vermitteln kann, wenn selbst die Profis schon verzweifeln.


    Ich habe in letzter Zeit viel bei Youtube ueber Holzbearbeitung und Modellbau geschaut. Wenn ich mir die Beitraege dort anschaue, mit bis zu 2.000.000 Abrufen und ich betone es extra, in diesen Bereich einer tollen und hoeflichen Kommunikation zu einem Videobeitrag mit Menschen aus aller Welt, das alles schnell ohne Beachtung von Ausbreitungsbedingungen, mit einem Smartphone oder Tablet fuer ein paar Euro nutzbar - da wird man muede belaechelt, wenn man da die Kommunikation im Amateurfunk anbringt.


    Deinen Elan in allen Ehren, aber mit Kommunikation holt man niemanden mehr in unserer von Medien ueberschuetteten Welt hinter dem Ofen hervor - das geht alles viel einfacher, schneller und mit weniger Aufwand.


    Ich sehe die einzige Chance in Verbindung mit der Maker-Szene, also Selbstbau, Elektronik, Automatisierung usw. eben der reinen Technik.


    Und dann sind da noch Menschen wie ich, die irgendwann auch einfach mal nur ihre Ruhe haben wollen und fuer sich allein meditativ entspannen moechten. Ich habe festgestellt, dass dies am Funkgeraet gar nicht geht, sondern am besten mit guter Musik oder in der Werkstatt beim Arbeiten mit Holz - einfach nur in Ruhe und alleine. Ich vermute, dass dies ein Ergebnis von der den ganzen Tag ueber stattfindenen Bombardierung durch Medien und den Anforderungen ist. Einige Arbeitskollegen haben das ebenfalls festgestellt - entschleunigen nennen wir das auch, ein ganz ruhiges, entspanntes Hobby ganz ohne Kommunikation zu haben.


    73, Tom

  • Hallo,


    Jürgen

    Von Mitgliederzahlen hab ich im übrigen nix geschrieben ....

    ja richtig, das ging auch in Richtung CQ-DL, wo ich immer entsprechende Zahlenspiele finde. Und der Count-Down zur HAM-Radio wurde ja gerade schon wieder gestartet indem man den (erstmals?) vergünstigten Eintrittspreis für DARC Mitglieder verkündet hat...


    Wenn ich mir die CQ-DL von 1950 so anschaue, dann hat sich inhaltlich grob gesehen gar nicht so viel verändert. DX-Peditionen waren damals wie heute ein großes Thema, ebenso Conteste. Organisatorische Dinge aus dem Club, Events und auch gewisse persönliche Befindlichkeiten werden thematisiert.


    Seitens der Technik gab es viele kleine Röhrenschaltungen, die relativ leicht zu verstehen waren. Die Komplexität der Schaltungen war sehr gering. Es wurde ja schon festgestellt, dass Amateurfunk heute im wesentlichen "Verbindungsaufbau" ist, also Kommunikation ohne Inhalte. Nur sind die Möglichkeiten dieses Verbindungsaufbaues und die dafür benutzte Technik viel komplexer als früher.

    Das führt dazu, dass viele OMs kaum noch alle Features ihrer Gerätetechnik kennen und deren Funktionsgruppen auch nicht mehr vollständig verstehen.

    Ein einzelner OM ist kaum in der Lage, die Hardware für einen SDR Transceiver zu bauen und dann noch die Software dazu zu schreiben und das ganze in ein ordentliches Gehäuse zu packen,

    mit allen heute üblichen Schnittstellen, Stromversorgung und Antennentuner usw...

    Einfaches Experiment : fragt mal im OV rum, wer ein IIR-Filter Blockschaltbild an die Wand malen kann und die Unterschiede zum FIR-Filter kennt.

    Der DARC hat das Dilemma nun offenbar auf die Tagesordnung gesetzt und möchte mit mehr Aus- und Weiterbildung für die OVs helfen.

    Ist das aus eurer Sicht ein sinnvoller Weg ?

    Die Technik ist so schon um viele Jahre hinterher im Amateurfunk. Den Anschluss an moderne Kommunikationstechnik hat man m.E. schon lange verloren.

    Ich weiss auch nicht ob es sinnvoll ist, immer komplexere digitale Signalverarbeitung an den Start zu bringen, nur um 59 und 73 zu senden.

    Sicher, niemand muss das tun und jeder kann auch weiterhin einfache Schaltungen bauen die verständlich sind.


    Das heisst aber umgekehrt, dass man technisch auf einer bestimmten Stufe stehenbleibt ! Einfache Schaltungen mit diskreten Bauteilen

    oder ein paar einfachen ICs (die bekannten Empfänger- und Mischer-ICs muss ich hier nicht aufzählen) stellen nun mal nicht mehr den Stand der Technik dar.

    Nur so paar Gedanken.


    73

    Markus

  • Deinen Elan in allen Ehren, aber mit Kommunikation holt man niemanden mehr in unserer von Medien ueberschuetteten Welt hinter dem Ofen hervor - das geht alles viel einfacher, schneller und mit weniger Aufwand.

    OFDM, CSMA, n-PSK, GMSK, DFE-Equalizer, DSSS, CDMA. Nein, mit Kommunikation holt man niemand mehr hinter dem Ofen hervor. Ist alles unspannend :P


    Ansonsten kann ich mich 1:1 dem Beitrag #7 von Markus anschliessen: Der Amateurfunk ist - mit Ausnahmen - leider ein wenig stehen geblieben.


    Ich selbst wurde durch DL0THG auf das Thema aufmerksam* und bin durch den Chat hier im QRP Forum dann geblieben. Letztendlich habe ich noch ein E-Technik Studium hinterher geschoben. Mittlerweile muss ich ehrlich sagen, dass der Amateurfunk auf dem Band kaum noch Reize fuer mich setzt. Nach 3-4 QSO's war die Spannung weg und seitdem geht es mehr und mehr in Richtung Entwicklung eigener Schaltungen, hauptsaechlich im Bereich SDR. SSB ist heutzutage nichts anderes als ein Algorithmus, was gesprochen wird, ist egal. Die technische Seite ist die interessante fuer mich. Fuer andere ist es das Contesting. Auch okay, reizt mich aber null: Die Signalverarbeitung selbst hat es mir angetan.


    Leider haben viele Funkamateure (Oder Amateurfunker? Ich habs immer noch nicht raus, wann sich Leute nun beleidigt fuehlen) demographisch bedingt, wenig Lust daran, sich mit SDR und Co zu beschaeftigen - Dies ist zumindest mein Eindruck des OV's, in dem ich 207~2011 ein paar Mal war. Das wird sich auf jeden Fall aendern, sobald 'die alten' wegsterben (Altersdurchschnitt). Es werden junge Leute nachkommen, die mit den entsprechenden SDR Themen vertraut sind. Der Amateurfunk wird nicht aussterben, solange es Menschen gibt, die sich fuer Technik interessieren. Was dann wieder fehlt (bzw rar wird), ist das umfassende Wissen der Analogtechnik, die eben genauso zum Amateurfunk gehoert, wie die 'komplexen' Signalverarbeitungsalgorithmen.


    Es ist ein Paradigmenwechsel, der alle paar Jahre von statten geht. Es ist Veraenderung, aber sicher nicht das Ende.



    * Eigentlich ist das gelogen. Wirklich in den Bann gezogen hatte mich damals naemlich DF1ID, der alte Mann mit den grauen Haaren, den buschigen Augenbrauen und der Antwort auf alle meine Fragen**.


    ** Unterschaetzt niemals, welche Wirkung ihr auf Kids habt!! .. Ihr werdet es vielleicht nie erfahren, aber vielleicht werden sie euch irgendwann spaeter, bei einem Feierabendbierchen, still und heimlich in Gedanken dafuer danken und sich wuenschen, es rechtzeitig ausgesprochen zu haben.

  • Ein interessantes Thema! vor mehr als 20 Jahren schrieb ich an die DV Beatrice eine Mail, in der ich mich darüber ausschüttete, wie ich den Amateurfunk empfinde. Hier zum Amüsieren:


    Gedanken zum Amateurfunk


    Als ich zum Amateurfunk kam, war die Kommunikation an erster Stelle. Gemeinsam schöne Unternehmungen machen, mit der Technik vertraut werden, miteinander reden... einfach Kommunizieren! Gleichgesinnte finden, Erfahrungen austauschen, Spaß haben!


    Doch wie sieht es heute aus? Da sitzen ein paar Wenige da und lernen, lernen, lernen,....

    Gesetze pauken, Technik pauken, opfern Zeit! Freizeit! Für was?


    Ich sage es euch: 59-73 plus QSL-Karte


    Da enthält in der Regel die QSL-Karte mehr Informationen als im ganzen QSO ausgetauscht wurde! Aha, dafür also habe ich gelernt. Wer eine Weile Funk betreibt, der weiß, dass mit einer ordentlichen Antenne und 100 Watt im Prinzip die ganze Welt zu erreichen ist. Toll. Und jetzt? Mit Endstufe?! Bringt nix! Mehr als 59-73 kommt dabei auch nicht raus!


    Der Sado-Maso des Amateurfunks: Contest. Tagelanges Schuften für ein Wochenende im Extremen! Funkgeräte Endstufen, Antennen.... Ohne PC geht sowieso nix mehr! Man muss ja die ganzen QSO´s nicht mehr von Hand schreiben, geschweige denn von Hand ein ausgeklügeltes Checklog schreiben, sondern man kann diese gleich ins "Logprogramm" eingeben. Und dieses Programm nimmt einem ja sogar schon das Denken ab!! Einfach drauflos schreiben, das Programm weiß, was wohin gehört, und wenn ich die Hälfte nur verstanden habe, sagt mir das Programm aus seiner Datenbank, was ich noch wissen muss! Klasse!


    3000 "QSO-s" in 24 Stunden...


    3000 Mal : 59-73....


    Und in Zukunft? Es gibt ja jetzt schon Spracherkennungsprogramme...... und der PC kann ja den Transceiver steuern. Funkgerät einschalten, PC aktivieren, dann 3 Stunden mit der Frau ins Kino und Abends sich dann darüber freuen, 6 neue Länder ins Loig bekommen zu haben. Ist das Amateurfunk???


    Wer kennt sich denn in der Technik, die er betreibt, noch genauers aus? Die wenigsten! Steckdosenamateure, die vielleicht am Anpassgerät noch etwas selber machen, die Ihre Antenne noch selber gebaut haben, aber das war es dann bei den Meisten. Unter Lebensgefahr auf dem Mast oder Dach herumgeturnt, die 25 zigste Antennenveränderung ausprobiert... ich frage mich,wozu? Wobei die, die die Möglichkeit dazu haben, immer weniger werden! Dank Amtor, Packtor, PSK31, Olivia und zig anderer Methoden geht das auch mit 5 Watt an einem nassen Schnürsenkel 100% um die Welt! Also warum soviel Aufwand für


    "59-73"???


    Stichwort Telegraphie! Eine ganz besondere Betriebsart! Kann nicht jeder. Können nicht mehr viele! Zudem nicht nur dieses "verschlüsselte", mit den Fingern miteinander Reden, nein, man muss auch noch die ganzen Abkürzungen kennen! Wobei: Es gibt ja den PC.... ARD, ZDF, ESD, ABS, TRX, UHF, FBI, CIA, .... Aküfi!!! Ich geb zu, es hat schon seinen besonderen Flair...


    Und es ist eine Steigerung zu erkennen: 599-73!


    Lasst uns mal über unsere eigenen Worte nachdenken: ".... ich habe gestern den K5D "gearbeitet"!"

    Gearbeitet!!! Schwäbisch "gschafft!" :-) Aha, Funk ist Arbeit! War das Arbeit? Vielleicht schon. 2 Stunden vergeblich gerufen, weil ja nur 100 Watt und alle Anderen 1000 Watt.... 5 Element-Richtantenne, 20m Mast, Vorverstärker,....


    Gearbeitet.... ich finde diese Wortwahl mehr als daneben, obwohl ich mich auch schon ertappt habe, dass ich mich dieses Jargons betätige! Gearbeitet.... Ich sage doch auch, ich war gestern bei meinen Freunden und wir haben uns den ganzen Abend gut unterhalten. Oder hat von euch einer auch am Wochenende die Schwiegermutter beim Kaffeekränzchen "gearbeitet"? "Also Mutti, wir gehen dann.... war schön, dich gearbeitet zu haben!" 59-73!!


    Was ist aus unserem Amateurfunk geworden?


    Er war jahrelang etwas Besonderes. In der Zeit, als es noch nicht so ohne Weiteres möglich wahr, um die halbe Welt zu "Kommunizieren"! Heute ist das allgegenwärtig: Internet, Handy, SMS, Sattelitenfernsehen. Heute ist es doch nichts mehr besonderes, was auf der anderen Seite der Welt passiert, oder? Dank Fernsehen wissen wir ja, wann in China ein Sack Reis umgefallen ist! Heute hat doch JEDER Zugang dazu, oder? Der Amateurfunk hat das Besondere gegenüber früher deutlich verloren! Es reisst fast keinen vom Hocker, wenn er hört, dass wir "um die Welt funken" können. Das macht die Jugend von heute wesentlich zuverlässiger mit dem Internet als wir in Abhängigkeit von Sonne, Wetter und Antenne!


    Ja, wir sind doch mittlerweile da angekommen, dass wir per Internet uns in weit entfernte Stationen einloggen können um von dort dann QSO,s zu fahren! Die neue Generation von DX???


    Dafür erhalten wir dann 59-73, very big signal!


    Also was bringt uns das, wenn wir jetzt neue Interessenten im Verein haben wollen? Es will doch keiner erst noch büffeln und ackern müssen, um das tun zu können, was er eh schon kann? Welchen Grund hätte er den dazu? Wir können die Zugangsberechtigungen zum Funk, egal ob UKW oder KW auch ganz aufmachen, es werden sich die Zahlen der Mitglieder nicht nennenswert, dauerhaft ändern! Die Quantität auf den Bändern wird etwas zunehmen,okay, doch die Qualität wird den Bach runtergehen! Besser gesagt, die Qualität IST schon den Bach runtergegangen!


    59-73! My Name and QTH? Look at QRZ.com!! QSL via Internet, anstatt wie früher alle persönlichen Informationen im Gespräch auszutauschen. Lieber Masse statt Klasse!


    Ja, so ist es schon oft! Eigentlich sehr traurig...


    Noch zum Thema Bastelprojekte:

    Wer hat schon mal ein etwas umfangreicheres Projekt selber durchgezogen? Also etwas mehr wie eine Antenne aus 34 Meter Draht oder eine Primitiv-Matchbox? Ich meine zum Beispiel eine etwas umfangreichere Endstufe oder gar einen Empfänger oder Transceiver? Warum werden jetzt die wenigsten sich melden? Und wenn, warum sind es sehr viele der "Alten"? Klar, die hatten nichts und aus dem mussten sie etwas machen! Heute? Dank Conrad und Reichelt und wie sie alle heissen ist das nicht mehr notwendig! Alles gibt es fertig einschließlich Funktionsgarantie und Reparaturservice!


    Und wenn sich dann doch einer findet, der basteln will, dann stellt er fest, dass unser "feiner" Lötkolben bezüglich der Bauteile zum Besenstil mutiert ist, die Teile mittlerweile so klein sind, dass man nicht mal mehr auf sie aufdrucken kann, was es ist.Sie sind nur noch mit Uhrmacherlupe überhaupt zu entdecken!

    Beim Arbeiten fast nimmer atmen darf, weil sonst die Bauteile wegfliegen, sich womöglich als "Feinstaub" in der Lunge ablagern!


    Es war das Besondere, was mich vor mehr als 25 Jahren dazu brachte, in ein Mikrofon zu sprechen. Es war das ganz besondere, mit dem Handfunk durch die Stadt zu laufen und sich mit Funkfreunden zu treffen und die verwunderte Blicke der Passanten zu genießen. Diesen Flair hat der Amateurfunk verloren und er wird es nicht wiederbekommen! Nicht durch Einsteigerlizenzen, nicht durch Freigabe aller möglichen Bandbereiche. Sein Übriges tut die "geniale Information der Medien" über unser Krebsförderndes, gar tödliches Hobby.... Ich will nicht sagen, dass der Amateurfunk tot ist, aber er wird weiter deutlich weniger werden. Und daran werden wir wohl nichts machen können, wenn wir es nicht schaffen, wieder etwas "Besonderes" am Funk zu wecken. Dazu braucht es Ideen, die die Qualität anheben, nicht die sinnlose Massen von nichts wissenden, neuen Mitgliedern!


    Wir müssen DEN Punkt wieder finden, mit dem wir Interesse bei der Jugend wecken. Nur: Was soll das sein? Ich habe bis jetzt noch nichts entdeckt. Ob es hier wirklich noch was gibt außer Nostalgie.... ich weiß es nicht, es ist mir bei bestem Willen keine Lösung eingefallen!


    Also helfen wir alle mit, dass es nicht so weit kommt, wie ich hier beschrieben habe, auch wenn es an vielen stellen schon so vorzufinden ist.


    59-73!

    Amateurfunk ist die teuerste Art der kostenlosen Kommunikation!

  • Hallo,


    jetzt muss ich mich auch mal zu Wort melden. Ich lese schon recht lange in diesem Forum mit, hab aber noch nie was geschrieben hier.


    Zunächst mal bin ich jemand den man wohl noch als "Nachwuchs" bezeichnen würde, wenn auch nicht mehr jung bin (50). Ich hab meine Lizenz vor 2 Jahren gemacht (und hoffe demnächst auf Klasse A aufstocken zu können).

    Warum und was hat mich am Amateuerfunk gereizt? Es ist sicher nicht die weltweite Kommunikation und auch nicht die moderne Technik sondern es ist das irgendwie besondere, exklusive an diesem Hobby. Jemandem der seine Lizenz vor Jahrzehnten gemacht hat und der schon zigtausende QSOs zu allen Orten auf der Welt geführt hat wird sowas sicher nicht mehr auffallen, aber mich reizt es das Recht zu haben, selbst auf Sendung zu gehen, selbst die Lizenz zu haben (und nicht der Hersteller der Geräte ich ich verwende), selbst bauen und modifizieren zu dürfen (wenn ich es auch (noch) nicht wirklich kann). Auch die Einfachheit ist für mich faszinierend, theoretisch reichen eine Hand voll Bauteile und man ist von keiner zentrale Infrastruktur abhängig (deshalb kommt mir auch kein DMR oder so ins Haus). Aus dem Grund reizt mich auch CW, wenn ich auch mit dem Lernen noch nicht so wirklich voran kommen, da siegt doch die meist die Faulheit oder die Angst vor der Niederlage.


    Ich hab auch nicht den Eindruck, dass der Amazeufunk stirbt. Ich schaue viele Videos zum Thema auf Youtube und da gibt's ständig neue Folgen und die werden auch gesehen.


    Aktuell bin ich praktisch nur auf 80m QRV aber das Band ist abends voll, bei den meisten CQ-Rufen muss man schnell sein um überhaupt dran zu kommen (und ich freue mich wenn es nach "59 73" weiter geht und nicht jeder seine ganze Lebensgeschichte erzählt). Wenn dann mal eine Station aus z.B. SV da ist gibt es gleich ein riesen pile-up. Tote Bänder hören sich m.E. anders an.


    Es ist schwierig junge Leute für das Hobby zu gewinnen - das stimmt. Seh ich an meinen Kindern, Null Interesse. Es gibt einfach zu viele Alternativen (als ich zur Schule ging gab's in jedem Ort ein Pionierhaus mit der Amatuerfunk-AG aber es gab auch wenig anderes wenn man nicht Sport gemacht hat). Muss aber m.E. auch nicht, ich denke Amateurfunk ist ein "erwachsenes" Hobby (geworden).


    Wenn Leute sagen, warum Afu, es gibt doch Handies und Internet sag ich, es gibt auch Leute die gehen Segeln, wozu wenn es Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe gibt? Es gibt Leute die gehen auf die Jagd, warum wenn ich Wild im Supermakt kaufen kann? Es gibt auch Leute die wandern, dabei gibt es doch Autos.


    Es ist gerade das etwas altmodische, entschleunigte, nicht-digitale was mich am Afu reizt. Mag auch daran liegen dass ich beruflich Software entwickle, da will ich in der Freizeit keinen Computer mehr sehen.


    Also vielleicht nicht immer nur auf die Jugend schielen bei der Nachwuchsgewinnung sondern sich auch mal an Erwachsene wenden.


    In diesem Sinne

    73 Haiko